Themenübersicht: Praxis und Praxisführung
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Ich kaufe mir einen Laser – morgen


 
Die lange Reihe der „Reformen“ im Gesundheitswesen hat hoffentlich auch den letzten Kolleginnen und Kollegen die Notwendigkeit der Neu­positionierung der eigenen Praxis verdeutlicht. Angesicht dieser immer restriktiveren Gesetzgebung, welche die Behandlung gesetzlich Versicherter zu den dort vereinbarten Konditionen zu einem wirtschaftlichen Risiko werden läßt, suchen schon jetzt viele nach Auswegen, um die fachlichen aber auch betriebswirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft zu beherrschen. In diesem Zusammenhang wird häufig der Einsatz zahnärztlicher Laser als geeignetes Mittel angesehen, die eigene Praxis mit einem therapeutischen und werbewirksamen Alleinstellungsmerkmal zu versehen.

Dieser Entschluß ist durchaus begrüßenswerter, sofern das „morgen“ nicht allzu wörtlich genommen wird, denn vor dem ersten praktischen Einsatz eines Lasers stehen zwar Diagnostik und Planung, lange davor gilt es jedoch noch einige Dinge mehr zu berücksichtigen, ohne die dieser erste Einsatz schnell zum Frusterlebnis mutieren könnte.

Die Ausbildung

Zwar ist es jedem Zahnarzt mit Erlangung der Approbation prinzipiell gestattet auch zahnärztliche Laser einzusetzen, dennoch eignet sich dieses Teilgebiet der Zahnheilkunde nicht unbedingt zu autodidaktischen Studien und therapeutischen Versuchen. Da nur die wenigsten Universitäten das Wissen um die Möglichkeiten der Laser in ihr Curriculum aufgenommen haben, keine hingegen dieses bis zur praktischen Umsetzung vermitteln, ist eine post graduate Ausbildung also unumgänglich. Das Fortbildungsangebot ist zwar nicht besonders groß, dennoch bietet sowohl die Industrie als auch private und körperschaftsgetragene Fortbildungsinstitute ein ausführ- liches Angebot an. Da die unterschiedlichen Lasersysteme in allen Bereichen der Zahnheilkunde zum Einsatz kommen, ist die dem Kauf vorgeschaltete Fortbildung auch dazu geeignet das Einsatzspektrum für die eigene Praxis zu erkennen und zu organisieren. Denn: Einige Laser können zwar viel, aber keiner kann alles.

Ohne sichere Grundkenntnisse in der Laserphysik, der therapeutischen Entsprechung zu den unterschiedlichen Wellenlängen, der Sicherheits­vorgaben etc. wird der Einsatz eines Lasers zum Risiko für Patient und Zahnarzt und ohne diesbezügliches Spezialwissen sicher nicht durch Langzeiterfolge gekrönt. Eine fundierte Ausbildung ist also wichtigste Voraussetzung, die Zertifizierung zum Tätigkeitsschwerpunkt Lase­rzahn­heil­kunde sicher hilfreich.

Die Raumausstattung

Natürlich ist Laserzahnheilkunde im zahn-ärztlichen Behandlungsstuhl möglich. Da die Geräte jedoch immer „chairside“ eingesetzt werden, sollte auch im entsprechenden Behandlungszimmer chairside ge­nügend Platz vorhanden sein. Wir führen zum Beispiel den Patienten in das Laserzimmer und nicht den Laser zum Patienten. Hier lagern dann auch Schutzbrillen, Spitzen etc. Das Zimmer ist als solches ge­kenn­zeichnet.

Die Laserschutzbestimmungen sehen mit der Anbringung einer Blitzlampe vor dem Behandlungsraum lediglich eine bauliche Maßnahme vor, die aber durch technische Alternativen der Industrie leicht beherrschbar ist. Eine sehr gute Absaugung ist zum Beispiel beim Einsatz eines CO2-Lasers Voraussetzung, da es sonst zu un­an­genehmen Geruchsbelästigungen kommen kann.

Die Geräteauswahl

Hat man sich nun theoretisch ausreichend fit gemacht und seinen eigenen therapeutischen Schwerpunkt definiert, steht vor der ersten praktischen Lasertherapie die Entscheidung für ein System und die intensive Geräteschulung. Berücksichtigt man nur die bekanntesten und solche, die schon einige Jahre am Markt zu finden sind, hat man sicher ca. 20 bis 30 Systeme mit sehr unterschiedlichen Einsatzspektren zur Auswahl. Dioden-, Nd-YAG-, CO2- und Erbium-YAG-Laser seien lediglich als Beispiele genannt. Um ein breiteres therapeutisches Angebot präsentieren zu können sind auch Kombinationsgeräte erhältlich, beispielhaft die Kombination aus Erbium-Cromium-YAG und CO2, mit dem sicher vielfältigsten Anwendungsspektrum. Hat man sich für ein System entschieden, sind „Hands-on Kurse“ sehr hilfreich, um die ersten praktischen Behandlungen streß-frei zu überstehen. Noch beruhigender ist die Anwesenheit eines erfahrenen Kollegen. Diesbezügliche Hos­pi­tationen werden von fast allen Anbietern organisiert und sind meines Erachtens sehr beruhigend und qualitätssichernd.

Die Mitarbeiter

Ohne qualifizierte Assistenz nervt Laserzahnheilkunde nicht nur, sie wird sich, da vom Team nicht akzeptiert, langfristig nur mühsam oder gar nicht als therapeutisches Angebot in einer Praxis etablieren lassen. Auch die Mitarbeiter bedürfen einer speziellen Ausbildung. Beispielsweise in der Assistenz, der Systemwartung, der Komponentenverwaltung. Auch hier helfen die Fach- gesellschaften ebenso wie die Industrie.

Die Organisation


Auch die Einführung der Laserzahnheilkunde will vorbereitet sein. Oft dauert nicht nur die Behandlung, sondern auch die diesbezügliche Aufklärung ein wenig länger als eine konventionellen Therapie. Schließlich gilt es auch die vielen Vorteile der Laserzahnheilkunde dem Patienten näherzubringen.

Hilfreich ist hierbei Modell- und Bildmaterial, die Dokumentation der Aufklärung sollte zur Routine werden. Die relativ sichere Vor­aus­berechnung der eigenen und der für den Patienten entstehenden Kosten sichert den wirtschaftlichen Erfolg, muß aber der Therapie vorgeschaltet sein. Sehr wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg sind daher die speziellen Abrechnungskenntnisse. Zu empfehlen ist daher eine eigene „Lasersprechstunde“.

Der Start

Wenn alle genannten Aufgaben erfüllt, Diagnostik und Planung abgeschlossen sind, kommt irgendwann die Stunde der Wahrheit. Bei diesem ersten Termin sollte der „Einsteiger“ drei Dinge berücksichtigen:

Die ersten Einsätze des neu erworbenen Lasers sollten unabhängig von Therapie und Wellenlänge im Frontzahnbereich erfolgen. Zunächst muß sich eine gewisse Behandlungsroutine einstellen, bevor man die lasergestützte Fibromentfernung distal des oberen Weisheitszahnes angeht.

Zum zweiten sollten diese ersten Therapien jeweils an den letzten Terminen des Tages stattfinden, um ohne nachfolgenden Termindruck behandeln zu können.

Drittens sollten der „Einsteiger“ vor diesen ersten Lasertherapien zehn Minuten Pause machen, nichts tun, sich sammeln. Wer so vorbereitet mit der Laserzahnheilkunde beginnt, wird sie sehr schnell step-by-step erlernen und mit jeder Behandlung mehr Freude an diesem faszinierenden Teilgebiet der Zahnheilkunde finden.

Autor:
Dr. Gerhard Will
Am Vogelsberg 51
44534 Lünen



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Schnitt mit dem Er:YAG-Laser.


Vollständige Knochenablation mit dem Er: YAG-Laser.


Entfernung des Granulationsgewebes mit einem CO2-Laser.






 

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