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Die intraorale Kamera – das erweiterte Auge des Zahnarztes


 
Sicher ist dies schon in jeder Praxis vorgekommen: Der Zahnarzt verliert mal eben den Blick für das Ganze und sieht die Situation nur mit fachlichem Tunnelblick, die zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) sitzt zwischen zwei Stühlen, besonders, wenn der Patient sympathisch ist. Und wenn der keine großen Schmerzen hat, will er doch lieber gerne warten oder zumindest erstmal schnell wieder weg.

Die Vorbehalte des Patienten

Der Patient hat oft ernst zu nehmende Angst vor der Behandlung, auch vor den für ihn entstehenden Kosten. Verständnisprobleme, vor allem wenn sie auf Fehlinformationen beruhen, führen zu einem ent­sprechenden Zeitaufwand in der Beratung. Die wahren Gründe liegen fast immer im Mangel an Dringlichkeit und Vertrauen und lauten etwa:

  • Was nicht wehtut, wird wohl noch eine Weile in Ordnung sein…
  • Es hat schon so lange gehalten, ich werde noch weiter warten…
  • Der Zahnarzt hat gesagt, es hält noch ein Jahr, so lange warte ich…
  • Ich werde es später machen lassen, wenn…

Die Lösung

Die Dringlichkeit der Behandlung wird mit einem Bild des aktuellen Befundes und der Beratung über die notwendige Behandlung aufgezeigt:

  • So entsteht Therapieakzeptanz auf Ba­sis des Vertrauens.
  • „Vertrauen“ ist als Fundament für jede geschäftliche Beziehung notwendig.

Dazu bedarf es sachlicher Information: Es geht um das JETZT, und das setzt ein BILD voraus! Das Bild zeigt die Dringlichkeit der Behandlung unmiß­verständlich auf.

Aufklärung, Beratung und Dokumentation

Ein Produkt ist heute ohne adäquate Werbung nicht am Markt zu plazieren. Das gilt genauso für die Dienstleistungen in der Zahn­heilkunde, wenn durch diese bleibende Veränderungen vorgenommen werden: Ein erkrankter Zahn wird intraoral aufgenommen und bis 100-fach vergrößert auf dem Bildschirm dargestellt. Das angestrebte Behandlungsziel wird anhand von Beispielen demonstriert und diskutiert, der ­Patient entscheidet sich jetzt für einen Behandlungsvorschlag. Die Beratung ist zwei­geteilt:

  • Der Behandler führt in der Regel den fachlichen Part durch,
  • den wirtschaftlichen hingegen besser die Assistenz

Behandlungsablauf

Für die Behandlung gilt: Davor und danach werden mindestens je eine Aufnahme zur eigenen Kontrolle erstellt. Der Behandler kann mit der Lupenbrille diagnostizieren und abschließend kontrollieren, für den Patienten hingegen ist die vergrößerte Wiedergabe intraoraler Auf­nahmen auf dem Bildschirm eine eminent wichtige Maßnahme zur Einschätzung der Behandlungsnotwendigkeit.

Hardware

Für Dentalaufnahmen gibt es drei Kameratypen:

  • digitale kompakte oder Spiegelreflex-Kameras
  • digitale Videokameras
  • analoge sowie digitale intraorale Kameras

Vorteile und Qualitätskriterien

In meiner Praxis kommen alle drei genannten Systeme zum Einsatz, wobei die intraorale Kamera am häufigsten genutzt wird. Zu jedem Behandlungsfall (z. B. einer geschichteten Füllung) gibt es mindestens vier Bilder, bei komplexen Darstellungen auch mehr, die gespeichert werden. Die Prophylaxe-Assistenz dokumentiert den Zustand vor der Zahnreinigung und das „strahlende Ergebnis“ danach. Die umständliche Anwendung von Handspiegeln entfällt. Der Patient kann seine Zähne vor dem Verlassen des Raumes im Wandspiegel neben der Tür nochmals kontrollieren.

Systeme

Die intraoral endoskopische Minikamera ist eigentlich eine Videokamera ohne Ton, mit der „live“ die beste Einstellung gesucht und per (Fuß-) Schalter eingefroren wird. Es können bis zu vier Still-Bilder im RAM-Speicher festgehalten und einzeln aufgerufen wieder geändert werden. Eine Speicherung dieser Bilder auf einem weiteren Medium ist allerdings notwendig, denn nach dem Abschalten des Betriebsstromes ist der RAM-Speicher gelöscht! Aktuelle DVD-Rekorder bieten analoge und digitale Eingänge. In der Regel sind die Kameras mit einem VHS und S-VHS Ausgang und einem Anschluß entweder für den Fußschalter oder zur Steuerung über den PC ausgestattet. Vorteile bieten volldigitale Systeme für USB-2, die eine direkte Kommunikation z. B. mit dem Notebook ermöglichen. Beide Kombinationen stellen mit einem zusätzlichen Mikrofon die komfortable Aufnahmemöglichkeit für Video­clips, Still-Bilder und Sprachnotizen wie Befunde oder Kommentare dar.

Design und Licht

Intraorale Kameras gleichen im Design mehr oder weniger einem zahnärztlichen Instrument. Sofern die Beleuchtung per Lichtleitung erfolgt, ist die Halogenlampe in der Basisstation untergebracht. Aktuell sind im Kamerakopf integrierte LED, die durch die mäßige Wärmeentwicklung ein Beschlagen der Optik verhindert, falls der Patient doch mal durch den Mund atmen sollte.

Handling und Brennweiten

Die Kamera kann, muß aber nicht wie ein zahnärztliches Handstück aussehen. Sie kann für Übersichtsaufnahmen auch über eine gerade Optik verfügen, die durch Ansetzen eines Mundspiegels für den Oral- oder Molarenbereich ergänzt wird. Eine unendliche Fokus-Distanz ist nicht zwingend nö-tig, denn mit der aktuell geringen Auflösung von etwa 350.000 Bildpunkten sind Porträtaufnahmen nun mal nicht die Domäne der Intraoralen. Mittlerweile werden Kameras mit Fixfocus-Objektiv angeboten, die ein sehr schnelles Handling intraoral ermöglichen und auf Grund der kurzen Brennweite ausreichende Tiefenschärfe bieten.

Bildbearbeitung und Archivierung

Wer in der allgemeinen Fotografie bemüht ist, seine Aufnahmen ohne Umwege in Photoshop® zu öffnen, zu bearbeiten und danach zu speichern, sucht Wege, dies für die analogen Aufnahmen der Intraoralen ähnlich zu gestalten. Für die Speicherung verwende ich den Explorer und komme gut zurecht. Alle Bilddateien werden in entsprechenden Ordnern wie folgt gespeichert: 060315 XXXXXX.jpg. Geben die ersten sechs Zahlen dabei das Aufnahmedatum wieder, bedeuten die XXXXXX die Patientennummer oder den Namen, auf jeden Fall auch die laufende Bildnummer. „.JPG“" ist das gespeicherte Dateiformat. Auch mit ACDSee®, FotoStation® und anderen Bildarchivierungs- und Bild­ver­waltungs­programmen ist man gut versorgt. Darüber hinaus können auch (Röntgen-) Bilddateien in den zahnärztlichen Abrechnungs­programmen patientenbezogen archiviert werden. Alle Bilddateien lassen die Datensicherung sehr schnell anwachsen.

Mittlerweile verwende ich für die Wandlung und Speicherung intraoraler und anderer Photoshots von analogen Sensoren das Medical Image Capture Device MediCapture™ USB100 im Vertrieb von SDS Sigma Dental Systems. Das Gerät zeichnet sich durch ein unauffälliges Gehäuse mit Folientastatur und rückwärtigem Anschlußfeld aus: S-Video und Composite in/out, Kabelfußschalter und AC 220V.

Mit der Folientastatur oder dem Fußschalter lassen sich Standbilder („Photohots“) einfrieren und im internen Speicher ablegen. Der Speicher ist recht groß und kann über 50 Bilder aufnehmen, die wiederum einzeln vor- und rückwärts in der Folge auf dem angeschlossenen Bildschirm betrachtet werden können. Zum Export werden sie im Block auf dem USB-Stick gesichert. Auf der Frontseite ist ein USB-Schacht zur Aufnahme eines firmeneigenen USB-Sticks, der eine kleine Software mit set-up und eine readme-Datei beinhaltet. Diese Software wandelt die „eingefangenen“ YUV-Dateien (600 x 800 Pixel mit ca. 1 MB Dateigröße) in komprimierte JPG (480 x 640 Pixel mit ca. 50 KB Dateigröße) um, die sich in der Windows Bild- und Faxanzeige unschwer betrachten und in Photo-shop® problemlos bearbeiten lassen, wobei die eher blasse und helligkeitsarme Farbwiedergabe von Video-Einzelbildern imponiert.

  • Einfache Aufstellung und Eingliederung in vorhandene optische Systeme
  • Unproblematisches, schnelles Handling
  • Hohe Speicherkapazität intern (>50) und im USB-Stick (>100)
  • Einfache Abspeicherung im Notebook oder PC im JPG-Format
  • Für alle videobildgebenden Systeme geeignet (auch am Mikroskop)

Anforderungsprofile für Intraorale Kameras

Die Geräte sollen zur Erstellung einzelner Oral- und Zahnaufnahmen sowie Videosequenzen dienen, zur Beratung und Dokumentation einschließlich Sprachnotizen. Dazu sollen sie einigen spezielle Anforderungen genügen:

Anschlüsse und Steuerung

  • Digitaler Ausgang (firewire oder USB2) zum direkten Anschluß an den PC
  • (S-) VHS-Ausgang für die Wiedergabe über einen handels­üblichen TV-Bildschirm bzw. analoge Speicherung, auch von Videosequenzen mit Ton
  • Mikrofon (-Anschluß) an der Basisstation für Funktions- und Sprachkontrollaufnahmen, Notizen, Identifikation der Bilder
  • Optional kabellose Bildübertragung zur Basisstation gewähr­leistet eine Kamera zum Mitnehmen für alle Behand­lungs­räume
  • Die Aufnahmesteuerung kann auch an der Kamera sein (Auslöser)
  • Voreinstellungen (Weißabgleich, Spotmessung usw.) gehören an die Basisstation oder den PC

Einsatzbereiche

Beratung
Erläuterung von Behandlungsabläufen und Alternativen, Akquisition, Prophylaxeberatung.
Chirurgie
Notwendige Extraktionen (8er), alle pathologischen Veränderungen der Schleim­häute.
Diagnostik
Darstellung und Übersicht aller Zähne, vergrößerte Einzelaufnahmen mit Detail­darstellungen von Läsionen.
Dokumentation
Forensisch verwertbare Aufnahmen, Kontrollaufnahmen zur eigenen Qualitätssicherung.
Endodontie
Darstellung von Wurzelkanaleingängen, Frakturen im Kronenbereich, adhäsiven Wurzelaufbauten aus röntgenologisch schwer darstellbaren Materialien.
Fortbildung
Vergleiche eigener Behandlungsleistung(en), zur Optimierung der Versorgungsgüte.
Konservierung
Vor und nach der Kariesentfernung, Kontrollaufnahmen zum A/B Vergleich kariöser und behandelter Zahn, ästhetische Aspekte in der Versorgung von Fronten, Stellungs- und Farbkorrekturen.
Prophylaxe
Vor und nach professioneller Zahnreinigung, Darstellung schwieriger Zonen.
Zahnersatz
Defizite an vorhandenem ZE, Notwendigkeit für (neuen) ZE (Lücken­schluß, Elongationen)

Ich setze die intraorale Kamera seit vielen Jahren bei fast jeder Behandlung ein, um auf diesem Weg schneller mit dem Patienten auf den Punkt zu kommen.
Die Einstiegsversion mit Fixfocus aktueller intraoraler Kameras (ca. 2.000,- Euro) kann sehr wohl zur weiten Verbreitung dieses Mediums beitragen. Es ist deshalb jedem Interessierten anzuraten, in seiner Praxis diesbezüglich Prioritäten zu setzen. Ob Systeme mit festem Focus, digitalem Anschluß an den PC oder auch mit kabelloser Daten­übertragung vorgezogen werden, bleibt den Anwendern überlassen: Zwingend notwendig sind eigene Planung und Erprobung.

Zusammenfassung

Die intraorale Kamera ist das erweiterte Auge des Zahnarztes, das jedem Patienten einen wirklichen Einblick in die aktuelle Situation ermöglicht. Sie ist wesentlicher Bestandteil einer informierenden Beratung, denn ohne Bilder kann der Patient nicht nachvollziehen, was der Zahnarzt in seinem Mund sieht. Zudem ist sie eine unentbehrliche Arbeitshilfe vor und nach bestimmten Arbeitsschritten. Die vollständige digitale Dokumentation verschafft (auch forensische) Sicherheit.

Autor:
Dr. Peter Paul Zehner
Alicestraße 8
36304 Alsfeld
drppz@t-online.de

Aufnahmen (c)www.drppz.de



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