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Schrauben in der Kieferorthopädie: Vom Aussterben bedroht?


 
Schrauben sind alte therapeutische Elemente in der Kieferorthopädie, die auch heute weiterhin einen bedeutenden Platz einnehmen. Schon bei Apparaturen um das Jahr 1860 (Bild 1) waren Schrauben wichtige Hilfsteile. Einerseits zum Dehnen des Oberkiefers und andererseits zum Bewegen einzelner Zähne.

Weiter setzte man Schrauben auch dazu ein, Bänder um die Molarenkronen herum an zu ziehen. Als Herstellungsmaterialien dienten entweder Messing oder Stahl. Metalle, die in dieser Form heute nicht mehr den internationalen Medizinprodukteverordnungen entsprechen würden, zu jener Zeit jedoch als noble feinmechanische Erungen schaften galten. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Apparaturen entwickelt, die zur Erweiterung des Gaumens dienten (Haas et al.), die so genannten GNE. Dabei wurde eine recht massive Schraube, die eine Aktivierung bis zu 13 mm ermöglichte, mit vier Extensionen versehen. Diese wiederum wurden an Stahlbändern angelötet und dann dem Patienten einzementiert. Damit erreicht man die Dehiszenz der sutura palatina.

Das Angebot für die abnehmbare Technik ist riesig

Fällt Ihnen bis hier hin eigentlich nichts auf? Richtig, die Rede war bis jetzt von festsitzenden Apparaturen. Und dies ist kein Zufall, denn die ersten kieferorthopädischen Apparaturen der Neuzeit waren fast ausschließlich festsitzender Art. Schrauben für Platten und bimaxilläre Apparaturen kamen erst in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts so richtig auf, unter anderem dank Prof. Schwarz, dem Platten-Guru der Kieferorthopädie. Die Industrie nahm den Steilpass auf und bot Schrauben für die diversesten Korrekturformen an. Zum Teil wurde das Angebot so groß und vielfältig, dass der Sinn einzelner Schrauben etwas fragwürdig erschien. Große Schrauben zur transversalen Dehnung, mittlere Grössen zur Distalisierung oder für einen Lückenschluss, multidirektionale Schraube, Mikroschrauben zur Einzelzahnbewegung. In dieser Zeit entstand auch der Ausdruck „Einwegdehnschraube“. Grässlicher Name und dazu völlig sinnlos, denn jede Schraube hat von der Mechanik her immer zwei Bewegungsrichtungen: actio = reactio. Je nach Widerstand einer Seite gibt die schwächere nach und die Bewegung geht in diese Richtung.

Schraube bleibt fester Bestandteil in der KFO

Die neuesten Schraubengenerationen sind solche, die direkt in den Knochen gedreht werden. Sei es als Implantat für eine Suprastruktur, oder als sogenannte Miniscrews. Diese werden als Verankerungs- oder Abstützpunkte für Zahnbewegungen direkt im Knochen festgeschraubt. So sehen wir, dass die Schraube in ihren vielfältigen Einsatzgebieten weiterhin ein fester und sinn voller Bestandteil der Kieferorthopädie bleiben wird. Modelle gehen, Modelle kommen aber sie werden uns weiterhin sehr dienlich sein.

Guido Pedroli, Zürich
E-Mail: guido.pedroli@zzmk.uzh.ch



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