Knochenkondensierung |
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Die chirurgische Behandlung des Knochenlagers zielt darauf ab, die Implantate im knöchernen Lager stabil zu verankern und diese Stabilität während der funktionellen Belastung langfristig aufrecht zu erhalten. Ziel der chirurgischen Aufbereitungstechnik ist es deshalb, bei der Insertion eine möglichst stabile Implantatverankerung zu erzielen. Diese nach der Insertion des Implantates erzielte Stabilität (sogenannte Primärstabilität) wird als eine der Schlüsselfaktoren in Hinblick auf die Osseointegration betrachtet (Brånemark et al. 1977), insbesondere wenn Früh- oder Sofortbelastungen angestrebt werden.
Die Primärstabilität ist ein rein mechanisches Phänomen und wird durch die lokalen Knochenqualitäten und Knochenquantitäten, die chirurgischen Aufbereitungstechniken sowie das Implantatdesign beeinflußt (Johansson CB, Albrektsson T 1987). Unter Sekundärstabilität versteht man die Implantatverankerung, die auf der nach der Implantatchirurgie einsetzenden knöchernen Wundheilung durch Knochenbildung und Knochenremodelling basiert. In der Literatur sind viele Studien zur Stabilität während oder nach Osseointegration der Implantate zu finden (Johansson CB, Sennerby L, Albrektsson T 1991), jedoch beschäftigen sich nur wenige Studien mit der Primärstabilität. Die Primärstabilität gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung, da viele Belastungsprotokolle eine Früh- oder Sofortbelastung anstreben. Chirurgische Methoden zur Optimierung von Knochenquantität und Knochenqualität sind vielfältig beschrieben (Meier A et al. 1991). In der Implantologie haben sich verschiedene Methoden etabliert, um das Implantatlager zu verbessern. Eines dieser Verfahren ist die manuelle Knochen- verdichtung zur Knochenkondensation spongiösen Knochens (Bonecondensing). Das Verfahren zur Verdichtung von spongiösen Knochen wurde in der rekonstruktiven Chirurgie und der Spaltchirurgie erstmalig beschrieben (Burri et al. 1977) und für dentale Implantate von Summers 1994 modifiziert. Viele Studien beschäftigen sich mit der Steigerung der Quantität durch augmentative Maßnahmen. Nur wenige Studien beschäftigen sich mit der periimplantären Knochenqualität. Summers versuchte die Primärstabilität durch die Anwendung der Knochenkondensationstechnik im posterioren Oberkiefer zu steigern. Diese Technik hat sich in der klinischen Routine etabliert (18, 21, 26). Es wird hierbei nach Anwendung einer Pilotbohrung der spongiöse Knochen sukzessive mit Knochenkondensatoren aufbereitet. Die Aufbereitung erfolgt durch die Anwendung unterschiedlich dicker Kondensatoren bis zum Erreichen des korrespondierenden Implantatdurchmessers. Hierdurch kann ein schmaler Alveolarfortsatz expandiert werden. Als Komplikation kann die vestibuläre Knochenlamelle frakturieren. Wenn dieses Risiko minimiert werden soll, ist es von Vorteil das Periost auf den Knochen zu belassen und beidseits einen Spaltlappen zu präparieren. Hierdurch bleibt eine sich ergebende Fraktur periostgestielt und verheilt ohne weitere Probleme. Ebenso kann mit dieser Technik ein interner Sinuslift durchgeführt werden. Wenn der ortsständige Knochen 7 mm hoch ist, kann der Kieferhöhlenboden um 1 - 3 mm angehoben werden (Emmerich D, et al. 2005). Beachtet werden sollte hier jedoch stets der Abstand zwischen dem Alveolarfortsatz und der Gegenbezahnung, denn wenn das Verhältnis der Krone zur Implantatläge ³ 1:1 ist, kann das Implantat aufgrund einer Überbelastung verlorengehen (Hebelgesetze). Die Knochenkondensations-Methode wur- de in der zahnärztlichen Implantologie aufgrund verschiedener Vorteile im Vergleich zur herkömmlichen Implantologie eingeführt. Durch die Kondensations-Methode soll der Knochen bei zu geringem Angebot durch Kondensation verbreitert und verdichtet werden, um einen frühzeitigen Implantatverlust zu vermeiden (Schultze-Mosgau S, et al.1996). Konventionelle augmentative Maßnahmen können mit autologen oder alloplastischen Materialien durchgeführt werden. Diese chirurgischen Techniken bedürfen häufig eines zusätzlichen chirurgischen Eingriffs und werden mit einer verringerten Überlebensrate der dentalen Implantate beschrieben. Die Kondensations-Methode vereint die Vorteile einer krestalen Sinusbodenerhöhung und gleichzeitig einer Verbreiterung der Alveolarkammbreite mit einer verringerten Notwendigkeit für zusätzliche augmentative Maßnahmen. Der Erfolg der Bonecondensing Technik in der Implantologie wurde vor allem in klinischen Studien beschrieben (Emmerich D, et al 2005). Das Hauptgewicht dieser klinischen Forschung bezieht sich auf die Überlebensrate von Implantaten. Es gibt jedoch kaum experimentelle Studien, die die Osseointegration nach Anwendung von Kondensatoren untersuchen. Erste experimentelle Arbeiten zeigen jedoch einen Verlust an Primärstabilität nach Anwendung der von Konderns (Büchter A, et al. 2005). Die Gründe hierzu liegen in der Anordnung des trabekulären Knochens peri-implantär nach Kondensation. Die Kompression des trabekulären Knochens verlegt und verengt Markräume. Obgleich die Dichte des peri-implantären Knochens erhöht wird, wird die Blut-Versorgung durch die Kompression gestört. Ein Großteil der Zellen kann nicht vital erhalten bleiben und es entstehen zusätzlich Mikrofrakturen, wenn die Kraft größer als 20 MPa und somit höher als die Viskoelastizität des trabekulären Knochens ist (Müller W, et al. 1985). Bei der Kondensationsmethode muß grundsätzlich von einer höheren Kraft als 20 MPa ausgegangen werden, da die Kraftapplikation mit einem Hammer unkontrolliert auf den periimplantären Knochen übertragen wird. Hierdurch wird die Viskoelastizitätsgrenze überschritten. Zusätzlich ist es schwieriger, das Implantatbett geometrisch genau zu präparieren, welches wichtig für die Primärstabilität ist, da es allein beim Entfernen der Kondenser zu Verkantung und Aufweitung des Implantatbettes kommt. Der Knochen benötigt folglich Zeit, neue Räume für die Angiogenese in einem Abstand von den Implantaten sowie den peri-implantären Raum knöchern aufzufüllen. Wenn Implantate früh- oder sofortbelastet werden sollen, sollten die Implantate konventionell mit einem Bohrer inseriert werden. Priv.-Doz. Dr Andre Büchter Implantologisches Fortbildungszentrum Münsterland Hohenzollernring 10, 48145 Münster E-Mail: a.buechter@citykom.net Bilder: Klinik und Poliklinik für Mund- und Kiefer-Gesichtschirurgie, Waldeyerstraße 30, 48129 Münster Literatur beim Autor erhältlich. Zum Produktvergleich: Osteotom-Sets |
![]() Knochenkondensatoren ![]() Pilotbohrung mit Implantatschiene bei einer krestalen Alveolarfortsatzbreite von 2 mm. |





