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Die Chirurgie-Einheit in der Implantologie: Welche ist die richtige?


 
Bohren, Lasern oder piezochirurgische Kavitätengestaltung – der Anwender hat die Qual der Wahl. Die Verwendung von Chirurgie-Einheiten hat in den letzten Jahren einen breiteren Einsatz erfahren. Neben der Gestaltung von Knochenkavitäten werden sie heute auch im Rahmen rein knochenchirurgischer oder augmentativer und parodontalchirurgischer Interventionen eingesetzt. Zu klären bleibt für den Anwender: Was ist optimal bei der Gestaltung von Implantatkavitäten? Welche weiteren Einsatzmöglichkeiten bestehen in meiner Praxis? Bei welchen Geräten stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis?

Die laserchirurgische Gestaltung von Implantatkavitäten macht zwar immer wieder von sich reden, muß aber meiner Meinung nach in ihrer Effektivität angezweifelt werden. Ein ungleicher Vortrieb, eine lange Präparationszeit, thermische Prozesse, mangelndes Wasserspray-Gemisch am Ort des Geschehens und eine nicht adäquate Passung sprechen gegen diese Art der Aufarbeitung. Auch die piezochirurgische Gestaltung scheint bei der Einbringung rotationssymmetrischer Kavitäten nicht optimal zu sein.

Was also favorisiert die konventionelle Chirurgie-Einheit in der Implantologie und wie sollte sie ausgestattet sein?

Favoriten und deren Ausstattung

Das Bohren ist für schlanke runde Kavitäten nach wie vor die optimale Technologie. Stirnschneidende Instrumente können bei richtiger Umdrehungszahl und vorhandener Kühlung den Knochen schonend bearbeiten. Die Arbeit mit maßigen oder leicht untermaßigen Bohrern ist bei richtiger Anwendung die Voraussetzung für formidentische und damit formschlüssige sowie kraftschlüssige Knochenkavitäten. In den meisten Praxen soll die Chirurgie-Einheit örtlich flexibel eingesetzt werden können. Somit ist ein Ein- oder Anbau an die Behandlungseinheit oder den chirurgischen Tisch nicht von Vorteil. Ein Festeinbau kann dagegen in sehr spezialisierten oralchirurgischen und MKG-Praxen von Nutzen sein.

Die Bestückung mit Handstücken sollte immer eine Auswahl an Hand- und Winkelstücken und unter Umständen oszillierenden Sägen zulassen. Inwieweit der Nutzer diese Optionen anwendet bleibt ihm überlassen. Alle Handstücke müssen autoklavierbar sein, da es sich um ein Sterilgut der Klasse 2B handelt. Für sehr umfangreiche Eingriffe ist die Anbringung eines zweiten Motors sinnvoll, damit während der OP keine Handstücke gewechselt werden müssen.
Fußbedienung für verschiedenste Funktionen versteht sich von selbst, so daß die Hände frei und steril bleiben.

Bei den einzustellenden Parametern sind die Anpassung an Übersetzungsverhältnisse, Geschwindigkeit, Drehmoment und Kühlwasserzufuhr wichtige Größen. Die Anpassung des Drehmoments spielt nicht nur bei Bohrern großer Durchmesser eine Rolle – im D1-Knochen – sondern ist auch für alle diejenigen von Interesse, die gerne bis zuletzt „mit Maschine“ arbeiten. Hierunter fallen das Gewindeschneiden und das maschinengetriebene Inserieren der Implantate mit vorgegebenem Drehmoment.

Sehr wichtig ist die hygieneoptimierte Gestaltung von Gehäuse und Bedienflächen, um eventuelle Kontaminationen mit Blut leicht reinigen zu können. Konventionelle Drehknöpfe sind für die Bedienbarkeit und Hygiene kontraproduktiv. Glatte Touchpads mit spalten- und fugenloser Integration der Bedienelemente sind hier besser.

Großflächige Bedienelemente in übersichtlicher Anordnung machen die Einstellung einfach und sicher. Beleuchtete Anzeigen entsprechender Größe machen das Erkennen und Kontrollieren eingestellter Werte einfach und minimieren die Streßfaktoren während der OP. Sonderfunktionen, wie der Linkslauf des Motors, müssen immer mit akustischen Erkennungssignalen gekoppelt sein, um ein versehentliches Umschalten bei der Fußbedienung auszuschließen.
Wesentlich ist das integrierte Kühlmittelsystem im Basisgerät und zum Handstück.
Dazu gehören die sichere Fixierung des Kühlmittelspenders, eine einfache und sichere Montage des Systems in der Pumpe und die Weiterleitung der Flüssigkeit zum Handstück sowie die Verteilung und optimale Applikation des Kühl- und Spülmittels im OP-Gebiet.

Als Kühlmitteltransportsysteme sind heute ausschließlich steril eingeschweißte Einmalprodukte zu verwenden. Integriert ist ein Pumpenansatz, der auch bei Druckerhöhungen im System, z. B. durch zeitweiliges Verstopfen am Ausgang, nicht zerstört werden darf. Clips für die Montage an der Handstückzuleitung und Y-Stücke für eine gleichzeitige interne und externe Kühlung über das Werkzeug (Bohrer) und den Winkelstückkopf gelten als Standard.

Gerätegestaltung

Neben der Funktion spielt zunehmend der Aspekt der Gerätegestaltung eine Rolle. Das Gehäuse soll ansprechend, alle Steckverbindungen leicht zugänglich sein, aber den Zugriff auf das Touchpad nicht einschränken. Trotz allem bleiben bei der Kaufentscheidung Funktionalität und technische Möglichkeiten wichtiger als Styling. Technische Ausstattung, Gestaltung und Preis sollten in Relation stehen, deshalb lohnt sich vor dem Kauf ein genaues Hinschauen. Trotzdem bedeutet ein etwas höherer Preis eines Markengerätes von renommierten Herstellern beim Einkauf meist ein streßfreieres Arbeiten als ein Superschnäppchen eines No-name-Produkts, für dessen Service und Verbrauchsmaterial später niemand mehr zuständig ist.

Autor:
Dr. Michael Hopp   
Zahnarztpraxis am Kranoldplatz
Kranoldplatz 5, 12209 Berlin



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