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Die Mikronaht in der minimal-invasiven Parodontalchirurgie – Kurzkompendium


 
Die minimal-invasive Parodontalchirurgie stützt sich auf fünf Prinzipien bezüglich Schnittführung, Lappenmanagement, optischer Unterstützung, mikroinstrumentarium und der Mikronaht [1]. Auf sie soll in diesem Kurzkompendium im Hinblick auf Anforderungen und Technik eingegangen werden.
Die Mikronaht soll drei Aufgaben erfüllen. Sie soll die Traumatisierung der Gewebe gering halten, einen bakteriendichten Verschluß gewährleisten und auf diese Weise eine primäre Wundheilung ermöglichen.

Geringe Traumatisierung

Die grundsätzlichen Unterscheidungsmöglichkeiten bezüglich des Nahtmaterials in traumatisch / atraumatisch, polyfil / monofil spielen für die moderne minimal-invasiv orientierte Parodontalchirurgie nur noch insofern eine Rolle, als daß in der Regel atraumatisches, monofiles Nahtmaterial verwendet wird.
Als Nadelformen finden verschiedene Ausschnitte einer kreisrunden Nadel als 1/4, 3/8, 1/2 und 5/8 in verschiedenen Lokalisationen Verwendung. Am häufigsten werden in der minimal-invasiven Parodontalchirurgie 3/8 und halbkreisförmige Nadeln eingesetzt.
Für die Nähte im Approximalbereich hat sich eine asymptotische Nadelform bewährt. Sie geht aus einer kreisrunden Biegung von der Spitze her in einen geraden Teil zum Nadelende über und erlaubt daher eine Führung des Nahtmaterials durch den Lappen wie bei der kreisrunden Nadel. Zum anderen ist das horizontale Reichen der Nadel unter dem Kontaktpunkt hindurch wesentlich erleichtert.
Beim Fassen der Nadel mit dem Nadelhalter sollte darauf geachtet werden, daß einerseits die Spitze der Nadel nicht traumatisiert wird, andererseits durch das Fassen der Nadel am Übergang zwischen 2. und 3. Drittel vermieden wird, daß sich die Nadel unter der Kraftaufwendung beim Durchstechen des Lappens verbiegt. Auch sollte die Nadel mit den Spitzen der Branchen gefaßt werden, da sonst einerseits die Nadel aufgebogen wird und sich andererseits die empfindlichen Branchen des Nadelhalters aufbiegen. Dies wird zur Folge haben, daß das feine Nahtmaterial beim Knüpfen des Knotens mittels der üblichen materialsparenden Instrumentennaht nicht mehr gehalten wird.

Bakteriendichter Verschluß – primäre Wundheilung

In zahlreichen klinischen und histologischen Studien konnte gezeigt werden, daß monofile Nahtmaterialien im Vergleich zu polyfilen geringergradige Gewebereaktionen provozierten [2-6]. Dies ist im Wesentlichen neben der Materialcharakteristik auf die Dochtwirkung polyfilen Materials zurückzuführen, über die es zur bakteriellen Kontamination des Gewebes an der Fadendurchtrittsstelle kommt. Gleichwohl hat polyfiles Nahtmaterial in der akuten dentoalveolären Chirurgie weiterhin seine Berechtigung.

Als Fadenstärken für die minimal-invasive Parodontalchirurgie werden Größen zwischen 6.0 und 8.0 zum Einsatz gebracht. Hier ist trotz gesetzlicher Vorgaben, die eine metrische Orientierung vorgeben, auf herstellerspezifische Variationen zu achten, da insbesondere bei der Verwendung angepaßten miniaturisierten Instrumentariums zu dessen Schonung nur entsprechendes Nahtmaterial verwendet werden sollte. Eine obere Grenze wird bei Nahtmaterial der Stärke 6.0 gesehen.
Das Fassen des feinen Fadens mit der Pinzette muß vermieden werden, da hieraus Sollbruchstellen generiert werden, die dann den vorzeitigen Verlust der Naht bedeuten können.
Da in der Regel bei Verwendung derartigen Nahtmaterials mit optischer Vergrößerung zu arbeiten ist, wird für den Behandler leicht zu erkennen sein, ob Verbiegungen der Nadel insbesondere an ihrer Spitze das Verwerfen anraten. Solche Verbiegungen rufen Riß-/Quetschwunden an der Durchtrittsstelle des Nahtmaterials im Lappen hervor und sind einer primären Heilung abträglich.
Die Ein- und Ausstichstellen sollten nicht zu nahe am Wundrand liegen. Sie sollten etwa bei der horizontalen oder vertikalen Matratzennaht, die als Entlastungsnaht apikal zu liegen kommt, auch nicht zu nahe beieinander liegen, da sonst die Gefahr eines Einzugs des Nahtmaterials in den Lappen der Fall sein kann. Dies erschwert die spätere Nahtentfernung. Einzelknopfnähte kommen als zusätzliche Fixierungsnähte im Bereich der Papillenspitze approximal zum Einsatz, wenn apikal durch Matratzennähte zuvor die Annäherung der Lappen gewährleistet wurde. Vertikale Matratzennähte ermöglichen im Frontzahnbereich das gewünschte Aufstellen der Papillen zur Vermeidung der sogenannten „black holes“ infolge kollabierter Papillen.
Wenn nach mukosaler Präparation des Lappens das Periost auf seiner knöchernen Unterlage belassen wurde, so kann über von außen durch den Lappen und Periost geführte Matratzennähte der Lappen lagestabil und prognostisch sicher fixiert werden. Für die apikale Fixierung des freien Bindegewebs-transplantates müssen resorbierbare Nähte verwendet werden. Ihr Einsatz sollte auf das nötige Maß beschränkt werden, da ihre Resorption länger dauert als es die Heilung erfordern würde und von der Operationswunde zusätzliche Leistung abfordert.
Die fortlaufende Naht kann im Bereich von vertikalen Entlastungsinzisionen zum Einsatz gebracht werden, da ihre Entfernung gegenüber der Entfernung von vielen einzelnen Knopfnähten eine wesentliche Erleichterung bedeutet. Sie hat allerdings den Nachteil, daß, wenn es an einer Stelle zur Dehiszenz kommt, die ganze Naht revidiert werden muß.

Eine exzellente approximale Annäherung der oralen und vestibulären Lappenanteile läßt sich über die nach Laurell modifizierte Matratzennaht gewährleisten. Dabei handelt es sich um eine durch eine über die Wund-ränder plazierte Schlaufe rückverstärkte Matratzennaht (Abb. 2 und 3). Durch den Anzug des Knotens werden vestibulärer und oraler Lappenanteil sicher einander zugeführt. Damit dies nicht unter Spannung geschieht, muß durch eine entsprechende weichgewebliche Präparation zuvor ausreichende Mobilität gewährleistet sein. Da durch diese Form der Naht die Lappenanteile nach apikal geführt werden, kann vor Abtrennung der Fadenenden durch eine an-schließende Aufhängenaht oder durch die durch zwei Approximalräume geführte Umschlingungsnaht über den undurchgängigen Kontaktpunkt hinweg eine zeltartige Aufstellung der Gewebe erreicht werden. Hierdurch können postoperativ auftretende Rezessionen in ihrem Ausmaß begrenzt werden.
Häufig müssen im Rahmen präprothetischer minimal-invasiver parodontalchirurgischer Eingriffe chairside gefertigte provisorische Versorgungen angefertigt und eingegliedert werden. Durch eine Lage Zellstoff kann die Verbindung zwischen Kunststoff und Nahtmaterial verhindert werden.

Perspektiven

Wünschenswert wären Weiterentwicklungen der Nahtmaterialien für die minimal-invasive Parodontalchirurgie in Hinbick auf die Erhöhung der Nadellängen bei gleichbleibendem Nadeldurchmesser sowie die Kombination stärkerer Nadeln mit feinerem Faden. Die folgende Marktanalyse bietet eine breite Palette verschiedener Produkte im Bereich der Nahtmaterialien. Aus der folgenden Übersicht können die entsprechenden Materialien den jeweiligen Ansprüchen an die Indikationen der Eingriffe und an die spezifischen Behandlungskonzepte angepaßt ausgewählt werden.

Autor
OA Dr. Georg Gaßmann
Abt. f. Parodontologie
Leiter: Univ.-Prof. Dr. W.-D. Grimm
Fakultät für ZMK
Universität Witten-Herdecke
Alfred-Herrhausen-Str. 50, 58448 Witten

Literatur:

1. Gassmann G und Grimm WD: Minimal-invasive regenerative und plastisch-rekonstruktive Parodontalchirurgie Dent Implantol 2006; 10,2 90-97
2. Leknes KN, Selvig KA, Boe OE, Wikesjo UM.: Tissue reactions to sutures in the presence and absence of anti-infective therapy. J Clin Periodontol. 2005;32(2):130-8.
3. Leknes KN, Roynstrand IT, Selvig KA.: Human gingival tissue reactions to silk and expanded polytetrafluoroethylene sutures. J Periodontol. 2005 Jan;76(1):34-42.
4. Selvig KA, Biagiotti GR, Leknes KN, Wikesjo UM.: Oral tissue reactions to suture materials. Int J Periodontics Restorative Dent. 1998 Oct;18(5):474-87.
5. Abi Rached RS, de Toledo BE, Okamoto T, Marcantonio Junior E, Sampaio JE, Orrico SR, Marcantonio RA.: Reaction of the human gingival tissue to different suture materials used in periodontal surgery. Braz Dent J. 1992;2(2):103-13.
6. Castelli WA, Nasjleti CE, Caffesse RE, Diaz-Perez R.: Gingival response to silk, cotton, and nylon suture materials. Oral Surg Oral Med Oral Pathol. 1978 Feb;45(2):179-85.


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