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Mikrobiologische Tests in der Therapie der Parodontitis und Periimplantitis


 

Bilal Al-Nawas, Julia Karbach

Die Mundhöhle ist mit einer kaum vorstellbaren Vielzahl von Bakterien kolonisiert. Einige davon sind mit klassischen mikrobiologischen Methoden nicht anzüchtbar. Zusammenhänge zwischen den Keimen, wie besondere Symbiosen oder die komplexe Biofilm-Bildung, sind bisher nur teilweise in ihrer Komplexität verstanden. Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Verständnis der Keimflora der Mundhöhle dahin gewandelt, nicht die Lokalisation bestimmter Keime zu bewerten, sondern die Mundhöhle als gesamtes Ökosystem zu verstehen. 

Durchgesetzt hat sich das Verständnis der Parodontitis als Zusammenspiel der Virulenz parodontalpathogener Keime, sowie endogener Risikofaktoren und exogener Einflüsse (LIT DGZMK). Das bedeutet, dass, neben Anamnese und klinischem Befund, der parodontalen Keimflora eine zentrale Rolle in der Planung einer Parodontaltherapie zukommt. Auf der anderen Seite gilt als gesichert, daß nicht alle Träger parodontalpathogener Keime erkrankt sind und eine vollständige Eradikation parodontalpathogener Keime kein sinnvolles Behandlungsziel sein kann.
Grundsätzlich gilt, daß eine mikrobiologische Diagnostik vor Behandlungsbeginn erfolgen sollte. Außerdem muß das Ergebnis der mikrobiologischen Kultur eine klinische Konsequenz haben, wenn die Daten nicht für epidemiologische Fragen genutzt werden. Somit ergibt sich der Einsatz mikrobiologischer Tests, wenn eine Antibiotikatherapie geplant ist. Es besteht Konsens darüber, daß mikrobiologische Tests nicht zur Klassifikation bzw. eigentlichen Diagnosestellung beitragen. Im Rahmen der DGZMK-Stellungnahme werden folgende Erkrankung aufgezählt, bei denen eine mikrobiologische Diagnostik sinnvoll sein kann:

  • aggressive Parodontitis
  • schwere chronische Parodontitis
  • Parodontitiden, die trotz vorangegangener Therapie progrediente Attachmenver    luste aufweisen
  • mittelschwere bis schwere Parodontitiden bei systemischen Erkrankungen oder Zuständen, die die Funktion des Immunsystems beeinträchtigen.

Bei diesen Erkrankungen ermöglicht die mikrobiologische Untersuchung die zielgerichtete Auswahl eines Antibiotikums.
Die periimplantäre Infektion kann, ähnlich wie die Parodontitis, durch eine bakterielle Besiedlung des periimplantären Gewebes ausgelöst werden. Teilweise finden sich die gleichen Markerkeime, wie bei der Paro-dontits. Allerdings scheinen bei periimplantären Infektionen auch in der Parodontitis unbekannte Erreger, wie zum Beispiel Hefepilze eine Rolle zu spielen. Einer Therapie der Periimplantitis mit unterstützender Antibiose sollte aus diesem Grund eine mikrobiologische Untersuchung des Keimspektrums voran gehen. Eine Verlaufskontrolle kann über die Aktivität der bak- teriellen Besiedlung Auskunft geben. Als gesichert gilt, daß bei Patienten mit aktiver Parodontitis auch das Risiko für eine periimplantäre Infektion mit Knochenverlust signifikant größer ist. Damit kommt sowohl der parodontal als auch der periimplantären Therapie bei diesen Patienten eine große Bedeutung zu.

Die Probenentnahmen sollten an mehren Stellen erfolgen, um die Aussagekraft des Ergebnisses zu steigern. Dabei wird eine sterile Papierspitze, die den kommerziell erhältlichen Tests meist beiliegt, für einige Sekunden in die beteiligten Taschen gehalten. Für molekularbiologische Untersuchungen müssen die Keime nicht mehr vermehrungsfähig sein, was Probenlagerung und Transport deutlich erleichtert. Klassische mikrobiologische Anzuchtmethoden werden heute nur sehr selten verwendet. Üblicherweise werden die Proben in ein zentrales Labor versandt und dort analysiert. Meist liegen die Methoden der Polymerasekettenreaktion zugrunde. Mit dieser Technik wird zunächst bakterielle RNA oder DNA amplifiziert und dadurch mengenmäßig nachweisbar. Mit speziellen Sonden werden dann eine Reihe parodontalpathogener Keime "gesucht". Dies bedeutet, daß immer nur eine bestimmte Auswahl parodontalpathogener Keime nachgewiesen wird. Der Behandler sollte sich ausserdem im Klaren darüber sein, daß moderne molekularbiologische Tests bisher keine gesicherte Aussage über Antibiotikaresistenz erlauben. Über den Nachweis des Keims wird auf der Basis empirischer Erfahrungen eine Auswahl häufig wirksamer Antibiotika empfohlen. Im Vergleich zur Schwierigkeit der klassischen mikrobiologischen Kultur, die eine Resistenztestung erlaubt, stellen molekularbiologische Tests jedoch die einzige praxisnahe Diagnosemethode dar. Im Sinne einer Evaluation des Therapieergebnisses wird von der DGZMK nach Abschluß der Therapie eine zweite Entnahme empfohlen.
Es liegen also klare Daten vor in welchen Fällen eine adjuvante Antibiotikatherapie sinnvoll sein kann. Hier bieten sich die mikrobiologischen Tests auf molekularbiologischer Technik als sinnvoll und praktikabel an. Bei Berücksichtigung der Fragen wie Probenentnahme, Sensitivität und fehlendem Resistenznachweis, erlauben sie dennoch dem Behandler eine zielgerichtete Therapie.


Autor
PD Dr. Dr. Bilal Al-Nawas
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Dr. Julia Karbach; Oralchirurgie    
Uniklinik Mainz
Augustusplatz 2, 55131 Mainz


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Probenentnahme mit steriler Papierspitze an einer periimplantären Tasche.


Sterile Papierspitzen und Transport-röhrchen zum Versenden an ein zentrales Labor.







 

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