Dr. Clemens Walter Laser, diamantierte Ultraschallansätze, photodynamische Therapie, hochwirksame Antibiotika-Kombinationen - werden da Handinstrumente zur Paro-dontitistherapie überhaupt noch benötigt?
Gracey- Küretten wurden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts von Clayton H. Gracey entwickelt. Sie zeichnen sich durch eine zahnflächenspezifische Formgebung aus und besitzen, im Gegensatz zu Universal-Küretten, nur eine schneidende Arbeitsfläche mit einem abgerundeten Arbeitsende. Diese sehr grazilen „Werkzeuge“ ermöglichen eine schonende, gezielte Instrumentierung der erkrankten Wurzeloberfläche. Ein Blick in die Fachliteratur genügt, um zu sehen, daß in der überwiegenden Mehrzahl der aktuellen parodontalen Therapie-Studien Handinstrumente verwendet werden. Heute wird eine Kombination bestehend aus manueller Instrumentierung mit Gracey-Küretten und maschineller Instrumentierung zum Beispiel unter Verwendung eines Ultraschallgerätes benutzt, um den subgingivalen Biofilm und Konkremente zu entfernen sowie die Wurzeloberfläche zu glätten. Diese Hybridtechnik hat den Vorteil, daß sich die Instrumente in ihrem Indikationsbereich ergänzen und eine adäquate Behandlung auch schwieriger Areale, wie zum Beispiel im Furkationsbereich, möglich wird.
Zumeist genügt der reduzierte Standard – Gracey-Satz (5/6 – Frontzähne; 7/8 – bukkal und palatinal an Prämolaren und Molaren; 11/12 – mesiale Flächen von Prämolaren und Molaren; 13/14 – distale Flächen von Prämolaren und Molaren) um eine erkrankte Dentition zu therapieren. In einigen Fällen ist es jedoch hilfreich auf spezielle Instrumente zurückzugreifen. So sind die extra-rigiden, auch nach mehrfachem Gebrauch noch „scharfen“ Küretten mit einer Titanium-Nitrit-Beschichtung (A. Deppeler) zur Entfernung von besonders hartnäckigen Konkrementen eine Alternative. Für Zähne mit sehr zierlichen Wurzeln, so zum Beispiel in der Unterkieferfront, besteht die Möglichkeit die Mini-Five-Küretten (Hu-Friedy) mit verkürztem Arbeitsende zu verwenden. Letztendlich muß jedoch der therapierende Parodontologe bzw. die Dentalhygienikerin entscheiden welches Instrument zu ihm oder ihr paßt und womit die besten Ergebnisse einer effizienten und zahn- schonenden Therapie erzielt werden können.
Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage ist daher ein klares „Ja!“. Die mechanische Zerstörung des subgingivalen Biofims und die Entfernung von Konkrementen sind Grundpfeiler der Parodontitistherapie. Gracey-Küretten haben sich hierzu seit nunmehr fast einem Jahrhundert bewährt und sind insbesondere zur Glättung der instrumentierten Wurzeloberfläche anerkannte parodontologische „Werkzeuge“. Sie sollten in keiner Praxis fehlen.
Autor Dr. Clemens Walter, OA Universitätskliniken für Zahnmedizin Basel Klinik für Parodontologie, Endodontologie und Kariologie Hebelstraße 3 CH-4056 Basel clemens.walter@unibas.ch
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Mechanische Zerstörung des subgingivalen Biofims und die Entfernung von Konkrementen sind Grundpfeiler der Parodontitistherapie.
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