Themenübersicht: Praxis und Praxisführung
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Desinfektion im Mittelpunkt


 
Von allen Hygienemaßnahmen scheint die Desinfektion auf den ersten Blick eine einfache Angelegenheit zu sein. Man wischt oder sprüht mit einem Präparat die kontaminierten Flächen ein, wartet die Einwirkzeit ab und fertig ist die Desinfektion. Eine zuverlässiges Ergebnis läßt sich allerdings so nicht erreichen. In der Praxis ist es daher notwendig, eine genaue Systematik zu erarbeiten. Die Mitarbeiter müssen aufgeklärt werden, warum die einzelnen Maßnahmen so und nicht anders erfolgen müssen. Dazu gehört auch eine Belehrung über die möglichen Folgen bei Nichteinhalten der Anweisungen.

Zu viele Einflußfaktoren können die Wirksamkeit der Desinfektion beeinträchtigen und zu einem ungenügenden Ergebnis führen:

  • Die Mittel können in Ihrer Wirkung besonders durch organisches Material erheblich beeinträchtigt werden. Durch ungeeignete Mittel kann Eiweiß z. B. aus
  • Blut noch zusätzlich an den Instrumenten fixiert werden.
  • Durch schlecht zugängliche Stellen erreichen die Mittel nicht die gesamte Oberläche.
  • Die Mittel können einige Zeit nach dem Ansatz an Wirksamkeit verlieren.
  • Ein Zusetzen von Reinigungsmitteln zu den Desinfektionsmitteln in der Praxis kann die Wirkung beeinträchtigen oder zur Freisetzung gesundheitsschädlicherSubstanzen führen, und darf auf keinen Fall vorgenommen werden.

Gefahren eliminieren

Desinfektionsmittel können Gesundheitsschäden verursachen und müssen daher mit entsprechenden Vorsichtmaßnahmen behan- delt werden. Unter anderem birgt der Umgang mit diesen Mitteln folgende Gefahren:

  • Aerosole durch Sprühdesinfektion belasten die Atemwege und können bei intensiver Anwendung zu Brand- oder Explosionsgefahr führen.
  • Desinfektionsmittel können Augen, Haut und Schleimhäute verätzen.

Desinfektionsmittel unterliegen als Gefahrstoffe den Richtlinien zur Arbeitssicherheit.

 

  • Mitarbeiter, die mit diesen Mitteln arbeiten, müssen sich daher mit den Sicherheitsdatenblättern der verwendeten Mittel vertraut machen.
  • Zur Absicherung des Praxisbetreibersempfiehlt es sich, diese Kenntnisnahmedurch den Mitarbeiter schriftlich bestätigen zu lassen.
  • Die Sicherheitsdatenblätter sollten in der Praxis so verwahrt werden, daß sie bei einem Zwischenfall sofort greifbar sind.


Neben den Gefahren für die Gesundheit kann auch die Qualität der Praxiseinrichtung durch unsachgemäße Desinfektion erheblich leiden. Für die Werterhaltung der Praxis ist es daher unerläßlich, die Hygienemittel auch auf die entsprechenden Werkstoffe abzustimmen.

Komplexität erfordert strukturierte Prozesse

Die Folge der Komplexität der Desinfektion ist eine entsprechend hohe Fehleranfälligkeit. Das Problem verschärft sich dadurch, daß in der Regel die Fehler nicht auffällig sind und somit nicht automatisch zu einer Korrektur führen. Nicht korrekt desinfizierte Hände oder Oberflächen sehen nun einmal genau so aus, wie die korrekt desinfizierten. ie Kombination aus primär nicht auffälligen Fehlern und dem menschlichen Faktoren Bequemlichkeit und Nachlässigkeit, kann sich schnell zu einem gefährlichen Mix entwickeln, für deren Folgen letztlich der Praxisbetreiber geradestehen muß. m eine kontinuierliche Qualität bei der Desinfektion sicherzustellen, ist es daher erforderlich, die einzelnen Desinfektionsprozesse in der Praxis genau zu planen, zu definieren, die Mitarbeiter zu schulen und schließlich die Einhaltung zu überwachen. Der Erfolg der Hygiene steht und fällt mit der Systematik und der Qualität der Unterweisungen. Die Mitarbeiter, die mit den Hygienemaßnahmen betraut werden, müssen ein vollständiges Wissen über die Wirkung und Wirksamkeit der entsprechenden Maßnahmen sowie über die Risiken der zur Anwendung kommenden Mittel haben. Insbesondere sollte auf mögliche Fehler bei der Aufbereitung und deren Konsequenzen hingewiesen werden. Die Schulungen müssen dokumentiert werden. Entsprechend ist ein entsprechender Schulungsplan vorgeschrieben der nach einem konkreten Prozeß aufgebaut werden kann (Abb. 2). Soll bei korrekter Umsetzung der Hygiene die Arbeit der Hygienebeauftragten nicht in einen Fulltime-Job ausufern, müssen Strukturen zur effizienten Bewältigung der Aufgaben eingeführt werden.

Prozesse entwerfen und integrieren

Dabei sind die Mitarbeiter allerdings mit der Entwicklung der Prozesse für ein Qualitätsmanagement-System in der Hygiene in der Regel überfordert. Die Prozesse gehen über die reine Durchführung der Hygienemaßnahmen deutlich hinaus, denn neben der korrekten Umsetzung der Hygiene, spielt auch die entsprechende Dokumentation eine wichtige Rolle. Die rechtssichere Dokumentation ist der einzige Beweis, mit der der Praxisbetreiber im Falle eines Falles Regreßansprüche abwehren kann. Im Rahmen der vermehrt stattfindenden Praxisbegehungen wird daher besonderer Wert auf die Dokumentation gelegt. Die Forderungen nach detaillierten Plänen für die Desinfektion und die Aufbereitung von Instrumenten erfordern einen zusätzlichen Aufwand. Das Zusammenstellen der geforderten individuellen Ausarbeitungen mit konventionellen Mitteln, verlangt eine enorme Schreibarbeit. Um nicht den Überblick zu verlieren müssen die Dokumente auch noch entsprechend gemanaged werden, damit die Aktualität und die Verfügbarkeit gewährleistet sind. Das Austauschen eines einzigen Hygienemittels würde ein Umschreiben aller Dokumente, in denen dieses Mittel vorkommt, erfordern, um die Aktualität zu gewährleisten. Hier stellt sich die Frage, wie dieser Aufwand in einer normalen Praxis überhaupt noch wirtschaftlich vertretbar ist? Verbände, Industrie und Behörden stellen in großem Umfang Informationen, Datenblätter, Formularvorlagen usw., mit denen eine Dokumentation aufgebaut werden kann, aber die Ansammlung dieser Unterlagen allein schafft noch keine Systematik. Ein Ausweg für den effizienten Umgang mit diesen komplexen Datenmengen der Dokumentation könnte in entsprechenden Computerprogrammen liegen.

Anforderung an eine Software

Software wäre theoretisch in der Lage die Aufgaben von der Entwicklung bis zur Dokumentation weitgehend zu automatisieren. Dabei zeigt sich leider, daß einige der derzeit verfügbaren Programme im Prinzip auch nichts anderes leisten, als Formularvorlagen und Gesetzestexte und Hygieneplanmuster zur Verfügung zu stellen, die sich auch bei den Kammern oder dem DAHZ herunterladen lassen. Weitgehend automatisch läßt sich ein Qualitäts-Management System für die Hygiene mit dem Programm HygieneManager von flohr d.media entwickeln. In dieser Software wird der Benutzer automatisch durch die Erstellung einzelner Bausteine geführt, die dann durch das Programm zu einem komplexen System zusammengeführt werden. Die Datenbankstruktur stellt auf einfachste Art und Weise die Aktualisierung sicher. Wird z. B. ein Hygienemittel ausgetauscht, werden alle relevanten Dokumente automatisch aktualisiert. Neben dem Aufbau des Hygienesystems kann mit dem HygieneManager auch die vollständige Dokumentation durchgeführt werden. Geschwindigkeit bei der Anwendung und Vermeidung von Schreibarbeit sind die herausragenden Merkmale dieses netzwerkfähigen Programms. Sollen keine speziellen Programme eingesetzt werden, so wird das Hygiene-Management mit den klassischen Textverarbeitungen und Tabellenkalkulationen entwickelt und in einem Handbuch niedergelegt. Für die Dokumentation lassen sich ebenfalls mit einfachen Mitteln entsprechende Formularvorlagen entwickeln. Ein Problem bei dieser herkömmlichen Vorgehensweise ist die Papierflut sowie die Aktualisierung bei Veränderung. Ein besonders gravierendener Mangel ist die schlechte Kontrollierbarkeit.
Während bei datenbankgestützten Programmen, wie dem HygieneManager, ein Mausklick genügt, um die Vollständigkeit der Sterilgutfreigaben, Validitätsprüfungen und ähnlichem zu überwachen, muß man sich bei papiergestützten Systemen erst einmal durch die Ordner arbeiten. Gerade die Möglichkeit einer Kontrolle ist aber für den Praxisbetreiber von entscheidender Bedeutung.

Qualitätsmanagement

Welchen Weg auch immer eine Praxis beschreiten wird, eines ist sicher: Qualitätsmanagement und deren Dokumentation, nicht nur im Bereich der Hygiene, wird für die Zukunft unverzichtbar sein. Generelle Mängel in der Praxishygiene wäre für die Boulevardpresse und die Politiker ein gefundenes Fressen. Kann doch so zu Schutz der Bürger die Freiheit unseres Berufsstandes weiter eingeengt werden. Es liegt daher in unser aller Interesse, in jeder Praxis eine sichere Hygiene zu etablieren und zu dokumentieren. Die Hygiene mit einem überschaubaren Bereich bietet außerdem eine gute Gelegenheit, sich in die Welt des Qualitätsmanagements einzuarbeiten und Prozessdenken sowie Dokumentation in die Praxis einzuführen.

Autor:
Dr. Burkhardt Gieloff
Alemanenstr. 19, 79211 Denzlingen



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Abb. 1: Einflußfaktoren auf die Qualität der Desinfektion.


Abb. 2: Teilprozeß „Schulung“ aus dem Hygiene-Management.







 

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