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Im nachfolgenden Leistungsvergleich soll das Thema „Artikulatoren“ nochmals aufgegriffen und in komprimierter Form abgehandelt werden. Eingehendere Ausführungen dazu finden sich in der Ausgabe ZP ZAHNARZT & PRAXIS KOMPAKT 2005 (flohr verlag), so daß sich dieser Beitrag im Wesentlichen mit der Technologie der Artikulatoren befassen soll sowie mit deren Anwendungsmöglichkeiten. Über die Registrier- bzw. Transfersysteme, vor allem über die elektronischen, EDV-gestützten Erfassungs- und Vermessungssysteme soll in einer späteren Publikation berichtet werden, zumal anläßlich der DGFDT-Jahrestagung im Dezember 2006 in Bad Homburg einige Neuerungen auf dem Gebiet der berührungslosen Instrumentensysteme vorgestellt wurden, die aber noch nicht in die Fertigung gegangen sind. Daher ist eine Beschränkung auf bereits erprobte und praxisfähige Geräte zweckmäßig.
Die menschlichen Kiefergelenke werden zu den Diarthrosen bzw. Doppelgelenken gezählt. Man beschreibt sie auch als Doppelovoidgelenke. Alle Artikulatorgelenke sind dagegen Einkammergelenke. Während in den Craniomandibulargelenken Dreh- und Gleitbewegungsabläufe auf je ein Gelenkkompartiment verteilt sind, spielen sich in Artikulatoren Dreh- und Gleitbewegungen in einem Kompartiment ab. Im biologischen Regelkreissystem werden die Translationsbewegungen zwischen Diskus und Fossa und Eminentia articularis ausgeführt, während die Rotationsbewegungen zwischen Diskus-Unterseite und Gelenkkopf/Kondylus ablaufen. Die Gelenkköpfe variieren nach Form und Größe nicht nur interindividuell, sondern sogar intraindividuell, also zwischen rechter und linker Seite. Die Formen können nietkopfartig, walzenähnlich oder wie Hanteln oder Diabolos ausgebildet sein. Formänderungen lassen sich auch postpubertär noch feststellen bei entsprechenden Stimuli bzw. als Folge von Parafunktionen sowie Einbrüchen oder dem Verlust von Stützzonen bzw. Antagonistenpaaren.
Die Artikulator-Kondylen dagegen sind rotationssymmetrische Drehkörper in Kugel-, Walzen-, Birnen- oder Diaboloform. Diese können von unten oder auch seitlich (caudal oder lateral) angebracht sein. Im craniomandibulären System ist die Oberkieferzahnreihe feststehendes Element oder Statorteil und die Unterkieferzahnreihe bewegtes Element also Kinetorteil. In den Artikulatoren sind Stator und Kinetorteil vertauscht; demzufolge sind auch Arbeits- und Balanceseite vertauscht und die Bewegungen erfolgen reziprok zu den Abläufen im biologischen System. Hinzu kommt, daß die Bewegungsmuster im temporamandibulären System wesentlich variabler sind, als daß man diese in mechanischen Analoggeräten reproduzieren könnte. Um im Artikulator die statische und dynamische Okklusion beurteilen oder rehabilitieren zu können, bedarf es einer kephalometrisch definierten bzw. einer schädel- oder gelenkbezüglichen Modell-Montage per Gesichtsbogen-Transfer. Die Instrumenten-Justierung kann entweder halbstatisch per Kontaktpositionsregistrate oder per Achsiographie erfolgen. Komplette kinesiographische Bewegungsaufzeichnungen sind technisch möglich – ihre Umsetzung in Simulator-Programmierungen ist zur Zeit nicht in Sicht oder aktuell. Um im Artikulator die statische und dynamische Okklusion beurteilen zu können, bedarf es einer schädel- oder gelenkbezüglichen Modell-Montage per Gesichtsbogen-Transfer.
Die Klassifikation/Einteilung der Artikulatoren
Alle lieferbaren Artikulatoren sind seit den Bonwill´schen Vorgaben streng achsensymmetrisch konstruiert, das heißt: Inzisaltisch und Stift sind aequidistant zu den Artikulatorgelenken angeordnet. Versuche mit höhenverstellbaren Gerätekondylen, um Diskrepanzen zwischen rechter und linker Seite auszugleichen, sind rasch wieder aufgegeben worden. Auch die Verstellbarkeit der Interkondylardistanz, vor Jahren noch heftig diskutiert, findet sich nur noch bei wenigen Instrumenten. Darüber hinaus sind auch die Kontroversen zwischen Pantographie und intraoraler Stereographie als individuelle Erfassungsmethoden zwecks Artikulatorjustierung weitgehend verebbt in Anbetracht der elektronischen, computergestützten Vermessungsgeräte. Geblieben ist die Forderung nach unbedingter Kompatibilität von Transfergeräten mit den Artikulatoren bei schädel- oder gelenkbezüglicher Gesichtsbogenübertragung. Durch Erweiterung der Einstellmöglichkeiten der Analog-Artikulatoren sind die volljustierbaren Instrumente „aus der Mode gekommen.“
Die Einteilung der Artikulatoren erfolgt nach Zuordnung der Gelenkbauteile...
Bei Artikulatoren vom Arcon-Typ sind die Fossa-Eminentia-Analoge („Condylarführungen“) am Oberteil befestigt, die Gelenk-Analoge am unteren Modellträger. Beim Non-arcon-Typ ist die Zuordnung der Gelenkkompartimente genau umgekehrt, also gegenüber den natürlichen Verhältnissen vertauscht. Während die Relativbewegungen beim Arcon-Gerät orthograd laufen, werden sie beim Non-arcon-Gerät reziprok abgefahren.
...oder nach Justierbarkeit
Mittelwert- oder nicht adjustierbare Geräte weisen in der Regel einen Gelenkbahn-Neigungswinkel/Protrusionswinkel von 30° und einen Bennettwinkel von 15 - 20° bei alten Konstruktionen oder 7,5 - 15° bei neueren Konstruktionen auf. Es dominieren die Non-arcon-Typen. Viele Geräte sind nicht mit einem Gesichtsbogen kompatibel. Teiljustierbare Artikulatoren mit rektilinearen Gelenkführungen werden auch als Checkbiß-Artikulatoren bezeichnet, weil die Gelenkführungselemente geradlinig oder plan ausgeführt sind. Hierbei gibt es etwa gleich viele Arcon- wie Non-arcon-Geräte. Bei den teiljustierbaren Artikulatoren mit kurvierten Gelenkführungen für Protrusion, Medioprotrusion und Bennettbewegung dominieren die Arcon-Systeme. Sie werden als Analog-Geräte bezeichnet. Ihre Möglichkeiten zur naturnahen Bewegungsproduktion sind nur auf der Basis einer Axiographie voll nutzbar zu machen. Es gibt nur wenige volljustierbare Artikulatoren (z.B. der Stuart-Artikulator), die jedoch alle dem Arcon-Prinzip folgen. P.E. Dawson entwickelte mit dem Denar Combi-Artikulator ein vereinfachtes, stereografisch justierbares Gerät, was aber hierzulande keine nennenswerte Verbreitung gefunden hat. Durch Erweiterung der Einstellmöglichkeiten der Analog-Artikulatoren sind die sogenannten volljustierbaren Instrumente quasi „aus der Mode gekommen.“
Autor Dr. Hans-Jürgen Strott Obere Kirchbergstraße 19 57290 Neunkirchen Tel: 02735/2440
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Ohne sie geht nichts – Artikulatoren im täglichen Einsatz. Foto: Hardi Mink, Fellbach
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