Themenübersicht: Aufwachsen, Bearbeiten, Fügen
Zum Produktvergleich: Keramik-Kunststoff-Verbundsysteme
Zum Produktvergleich: Keramik-Kunststoff-Verbundsysteme
Mit Sicherheit ein Bund fürs Leben |
|
|
Bedingt durch den unterschiedlichen chemischen Aufbau von Legierungen und Verblendkunststoffen ist ein spaltfreier, stabiler chemischer Verbund zwischen beiden Werkstoffen nicht direkt möglich. Dieser Verbund ist den Beanspruchungen durch Milieu und Funktion im orofazialen Organ dauerhaft nicht gewachsen. Konditionierungsverfahren erzeugen molekulare Schichten, die als Mittler zwischen Legierung und Kunststoff (chemische Anbindung an die Legierung, chemische Anbindung an den Kunststoff) wirken. Zusätzlich dienen sie als Barriere für die zur Grenzfläche gelangenden Wassermoleküle. Der chemische Verbund zwischen Legierung und Kunststoff ist zwar die Voraussetzung dieses dauerhaften Verbundes im Mundmilieu, er wird allerdings durch die mechanischen Eigenschaften des Opakers und des Verblendkunststoffs mitbestimmt [10].
Beginnend mit dem Silicoater-Verfahren als erstem bewährten Verfahren aus dem Jahr 1984 [2], wurden in der dentalen Technologie bis zum heutigen Zeitpunkt eine ganze Reihe weiterer chemischer Verfahren [4, 5, 6, 8, 11] entwickelt, die sich in anorganische [6] und organische Verbundverfahren (Primer-Verfahren) [7] einteilen lassen. Typisch für die anorganischen Verbundverfahren (Silicoater, Silicoater MD, Rocatec) ist die Silikatisierung der Legierungsoberfläche mit anschließender Silanisierung dieser Silikatschicht. Bei den Primer-Verfahren (SR Link, Metal Primer II, Alloy Primer, Sebond Smart, M.L. Primer) wird eine Lösung angeboten, die in der Regel zwei bifunktionelle Monomere enthält: – ein Phosphorsäureestermonomer, welches bevorzugt mit Nichtedelmetallatomen reagiert – und eine organische Schwefelverbindung, die bevorzugt mit Edelmetallatomen reagiert. Zur chemischen Anbindung an den Kunststoff (Polymerisationsreaktion) enthalten beide Monomere als zweite reaktive Gruppe eine Methacrylatgruppe. Gegenüber den anorganischen Verbundsystemen sind die Primer-Verfahren technologisch einfacher anzuwenden. Scherhaftfestigkeit: Werkstoffe im Vergleich Mittels werkstoffkundlich-vergleichender Untersuchungen kann die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Systeme festgestellt werden. Der entscheidende materialwissenschaftliche Parameter für die Belastbarkeit der einzelnen Verbundsysteme ist die erreichbare Scherhaftfestigkeit. Zum anderen können aus Versuchen zur künstlichen Alterung (25.000 Temperaturlastwechsel zwischen 5 und 55 °C) sowohl die Hydrolysestabilität als auch die mechanische Belastbarkeit der Verbunde geprüft und Langzeitprognosen für den klinischen Einsatz der Verbundkombinationen abgeleitet werden [3]. Die mit den verschiedenen Legierungs-Kunststoff-Verbundverfahren erreichbaren Verbundfestigkeiten zeigen Abb. 1 an der hochgoldhaltigen Legierung d.Sign.98 und Abb. 2 an der Nichtedelmetalllegierung d.Sign.30. Zu jedem Verbundverfahren wurden Anfangsverbundfestigkeiten (Grundwerte) ermittelt (jeweils 1. Balken: ein Tag Wasserlagerung bei 37 °C). Zur Simulation der Mundbedingungen wurde ein anderer Teil der Prüfkörper einer künstlichen Alterung (jeweils 2. Balken: 25.000 Temperaturlastwechsel; 5 °C - 55 °C) unterzogen. Unter den Bedingungen des Kauorgans ist für die Dauerhaftigkeit der Verbunde entscheidend, daß die durch die Verbundverfahren erreichbaren hohen Anfangsverbundfestigkeiten (³ 20 MPa) auch über Jahre auf diesem hohen Niveau erhalten bleiben. Aus klinischen Erfahrungen [1, 2, 9] kann dann abgeleitet werden, daß für diese Verbunde auch unter Mundbedingungen eine relativ hohe Sicherheit besteht. Autor Dr. Roland Göbel Friedrich-Schiller-Universität Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde Bereich Werkstoffkunde und Technologie Bachstraße 18, D-07740 Jena Tel: 03641/933257 E-mail: roland.goebel@med.uni-jena.de Literatur [1] Bergbreiter, C., Pröbster, L., Klaus, Th.: Seven year clinical study of silicoated resin-bonded fixed partial dentures. Abstract EPA-Meeting Milano 1993 [2] Bruhn, L., Buchholz, G., Curth, K.: 3-Jahresstudie zur klinischen Bewertung des Silicoater-Dentacolor-Verfahrens im Vergleich zu anderen Verblendsystemen. In: Hofmann, M. (Hrsg.): Silicoatersymposium Bad Homburg 1989, Hüthig Heidelberg 1990 [3] Geis-Gersdorfer, J.: Untersuchung des Verbundes silanisierter Kunststoffverblendungen. In: Hofmann, M. (Hrsg.): Silicoatersymposium Bad Homburg 1989, Hüthig Heidelberg 1990 [4] Göbel, R., Welker, D.: Legierungs-Kunststoff-Verbunde in der Zahnmedizin - experimentelle Stressung und Prüfung. Swiss Materials 8(1996) Nr. 4 [5] Göbel, R., Welker, D.: Etablierte und neuentwickelte Metall-Kunststoff-Verbundverfahren im experimentellen Vergleich. Dtsch Zahnärztl Z 54 (1999) 644-647 [6] Göbel, R., Welker, D.: Anorganische Legierungs-Kunststoff-Verbundverfahren: Silikatisierung, Silanisierung, Verzinnen. Quintessenz Zahntech 26, 7, 733-743 (2000) [7] Göbel, R., Welker, D.: Organische Legierungs-Kunststoff-Verbundverfahren Quintessenz Zahntech 27, 2, 197-203 (2001) [8] Meiners, H., Herrmann, R., Spitzbarth, S.: Zur Verbundfestigkeit des Rocatec-Systems. dental labor XXXVIII (1990) 185-188 [9] Musil, R., Häselbarth, M.: Anliegen, Organisation und Ergebnisse einer 10-Jahresstudie zur klinischen Bewährung des Silicoater-Verfahrens am Ende des 5. Jahres. In: Hofmann, M. (Hrsg.): Silicoatersymposium Bad Homburg 1989, Hüthig Heidelberg 1990 [10] Rzanny, A., Göbel, R., Welker, D.: Quasistatische Prüfungen an 21 Füllungs- und Verblendkomposits. ZWR 104 (1995) 698 - 703 [11] Wirz, J., Wespi, M., Schmidli, F.: Kunststoff-Metall-Verbund - Neue Wege in der restaurativen Zahnmedizin. Quintessenz 43 (1992) 123-132, 339-346, 535-542 Zum Produktvergleich: Keramik-Kunststoff-Verbundsysteme |
![]() Druck-ScherFestigkeiten (Mittelwert und Standardabweichung) zwischen IPS d.Sign.98 und Kunststoffen nach Konditionierung der Legierungsoberfläche. TLW = Temperaturlastwechsel (5 °C/ 55 °C) ![]() Druck-Scher-Festigkeiten (Mittelwert und Standardabweichung) zwischen IPS d.Sign.30 und Kunststoffen nach Konditionierung der Legierungsoberfläche. TLW = Temperaturlastwechsel (5 °C/55 °C) |





