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Weißer Stahl – warum nicht lieber gleich das Original?


 
Zur Zeit ist Zirkoniumdioxid in aller Munde und wird gelegentlich als „weißer Stahl“ bezeichnet. Damit zollt man dem „Stahl“ hohen Respekt, wobei eigentlich nicht Stähle (= Eisen-Legierungen) gemeint sind, sondern Cobalt-Chrom-Legierungen. Es stellt sich daher die Frage, warum man nicht gleich zum Original greifen soll.
In der Zahnmedizin und -technik werden verschiedene Legierungen auf Cobalt-, Nickel, Eisen- oder Titan-Basis verwendet. Als elementares Metall kommt Titan zum Einsatz. Man spricht korrekterweise von edelmetallfreien (EMF-) Legierungen. „NE-Legierungen“ sind Nicht-Eisen-Legierungen. Damit ist die Definition sehr weitgesteckt. In diese Gruppe fallen auch Bronze- und Messing-Legierungen sowie Magnesium- oder Aluminium-Legierungen. Dies kann durchaus juristische Konsequenzen haben. Bestellt der Zahnarzt (als Verantwortlicher!) eine Brücke aus „NE“, kann der Techniker prinzipiell alles verwenden außer Eisen-Legierungen, z. B. kann er alte Kupferrohre einschmelzen, oder Messingrahmen, oder... Die namentliche Nennung der Legierung und des Verblendmaterials (z. B. „Wirobond 280 mit Omega 900 verblenden“) ist eindeutig und sichert beide Parteien ab.

Historie und Zusammensetzung
Die Geschichte der EMF-Legierungen reicht fast 100 Jahre zurück. Legierungen auf Cobalt-Chrom-Basis wurden schon damals zur Herstellung künstlicher Gelenke (z. B. Hüftprothesen) verwendet. Bald wurden solche Legierungen auch in der Zahnheilkunde als Prothesenwerkstoff verarbeitet.
Cobalt-Chrom-Legierungen werden im großen Maßstab in der Modellguß- sowie in der Kronen- und Brücken-Technik eingesetzt. Die Unterschiede zwischen den beiden bestehen in der Zusammensetzung. Bei den aufbrennfähigen Legierungen wird meist noch Wolfram zulegiert, welches bei einigen Legierungen das Molybdän vollständig substituiert.
Der Zusatz von Edelmetallen zu den NEM-Legierungen ist ebenfalls kritisch zu sehen. In geringen Zusätzen von wenigen Prozent bewirken sie keinerlei Änderungen der physikalischen oder chemischen Eigenschaften. Bei steigenden Gehalten nimmt die Sprödigkeit zu. Ein weiteres Problem ist die gleichzeitige Verwendung von Gallium oder Indium. Diese Elemente bilden mit den Edelmetallen leicht intermetallische Phasen, die zu verstärkten Ionenabgaben führen können. Aus Sicht des Autors ist daher der Zusatz von Edelmetallen ohne zusätzlichen Nutzen.

Millionenfach bewährt
Durch die Zusammensetzung bedingt sind auch die unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten (WAK). Die mit konventionellen Keramiken zu verblendenden Legierungen haben einen WAK von ca. 14 (10-6 x K-1), die für sog. LFC-Massen von ca. 16 (10-6 x K-1). Modellguß-Legierungen liegen bei ca. 15 (10-6 x K-1) und „passen“ nicht zu den Verblendkeramiken. Gelegentlich werden Bonder verwendet, um Modellguß-Legierungen mit Keramik zu verblenden. Der Zahntechniker meint Geld zu sparen – dies ist jedoch ein Trugschluß. Rechnet er nämlich die vergleichsweise hohen Kosten des Bonders ein, wird der Materialpreis der aufbrennfähigen Legierung weit übertroffen. Hinzu kommen noch die Kosten der zusätzlichen Arbeitsgänge. Außerdem verlässt der Techniker meist den Boden des Medizinproduktesgesetzes und trägt dann die alleinige Verantwortung.
Aufbrennfähige Cobalt-Chrom-Legierungen stellen den Stand der Technik dar. Mit ihnen kann wirtschaftlich klinisch bewährter Zahnersatz hergestellt werden, was durch Millionen von jährlich eingesetzten Einheiten bewiesen wird.

Autor
PD Dr. Roland Strietzel
Pappelweg 27, 28865 Lilienthal
E-Mail: die_strietzel@web.de


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