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Prothesenbasismaterial


 
Wissen Sie, welcher Prothesenbasiskunststoff bei der zuletzt von Ihnen eingesetzten Totalprothese verwendet wurde? Wenn Sie auch noch wissen, warum gerade dieses Material zum Einsatz kam, können Sie ruhig zum nächsten Artikel übergehen, denn dann verhalten Sie sich absolut konform mit dem Geist des Medizinprodukte-Gesetzes.

Das Medizinprodukte-Gesetz zählt Totalprothesen zu den Sonderanfertigungen, die nach schriftlicher Verordnung [und] nach spezifischen Auslegungsmerkmalen eigens angefertigt werden. Verschiedene Kommentatoren verstehen darunter auch, daß dem Zahnarzt die Auswahl der zu verwendenden Bestandteile obliege.
In der Regel ist es aber wohl so, daß der Zahnarzt keine konkreten Materialvorgaben macht. Der Zahntechniker entscheidet dann entsprechend seinen bisherigen Traditionen und den technisch apparativen Möglichkeiten.
Will der Zahnarzt nun diese Auswahl selber treffen, stößt er auf eine kaum überschaubare Vielfalt in Deutschland zugelassener Prothesenbasiskunststoffe, die alle im Wesentlichen der europäischen Norm EN ISO 1567 entsprechen. Gibt es, abgesehen vom Preis, aber überhaupt praxisrelevante Materialunterschiede? Und welche chemischen Alternativen zu den üblichen PMMA-Kunststoffen stehen für den Einzelfall einer diagnostisch abgesicherten Allergie zur Verfügung?

Geschichtlicher Überblick

Die ersten Kunststoffprothesen wurden im Jahre 1847 vom amerikanischen Zahnarzt Thomas W. Evans aus vulkanisiertem Naturkautschuk gefertigt. Trotz zahlreicher Nachteile wie komplizierte Verarbeitung, Quellung und mangelnde Oberflächengüte wurden Kautschukprothesen bis zur Einführung der Polymethylmethakrylate (PM-MA) produziert. Um 1870 fand nach erstmaliger Synthese Zelluloid Verwendung als Prothesenbasismaterial, obwohl auch hier erhebliche Probleme (Kampfergeschmack, Bruchgefahr, fehlende Reparaturmöglichkeiten) auf ein besseres Material warten ließen. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gelang die Herstellung von PMMA und 1936 entwickelte der Zahntechniker Gottfried Roth mit dem Pulver-Flüssigkeitsverfahren eine geeignete Methode zur Prothesenherstellung, die sich in ihren Grundzügen bis heute erhalten hat. In den letzten Jahren versuchte man mit der Entwicklung neuer Materialien und Verfahren, Alternativen zu den wenigen Nachteilen der PMMA-Kunststoffe und für die seltenen Allergien auf deren Bestandteile bereitzustellen. Heute werden in Deutschland jährlich ca. 1,5 Mio. Teilprothesen und über 750.000 Vollprothesen gefertigt.

Anforderungen an ein ideales Prothesenbasismaterial

Eine Aufstellung von Eigenschaften eines idealen Prothesenbasiskunststoffes dürfte bei der Auswahl eines geeigneten Kunststoffes hilfreich sein. Jeder Zahnarzt kann entsprechend seiner persönlichen Präferenz und der individuellen Situation des Patienten entscheiden, welche dieser Kriterien ihm wichtig und welche nebensächlich sind. Beispielsweise zeigte die Arbeit von Rölleke, daß Promysan nicht die Anforderungen der ISO 1567 (1999) bezüglich Farbe, Transluzenz und Polierbarkeit erfüllte. Dieser Kunststoff könnte allerdings bei einer Allergie auf PMMA eine echte chemische Alternative darstellen.

Einteilung der Prothesenbasiskunststoffe

Langkettige Kunststoffe werden durch Polykondensation (Polycarbonate, Polyamide, Polyester), Polyaddition (Polyurethane) und am häufigsten durch Polymerisation (PM-MA) hergestellt. Im Folgenden wird nach Stoffgruppen unterschieden:

PMMA (Synonym: Plexiglas)

Dank ihrer sehr guten Materialeigenschaften dominieren diese Kunststoffe trotz der vielen Innovationen der letzte Zeit immer noch den Markt.
Das Pulver besteht zu 99% aus vorpolymerisierten Perlen sowie Initiatoren (Benzoylperoxid) und Farbstoffen (Metallsulfide bzw. -oxide).
Die Flüssigkeit enthält ca. 90% Monomer (MMA), hinzu kommen verschiedene Comonomere (Vernetzer), Stabilisatoren und Inhibitoren (Hydrochinon) sowie ggf. Akzeleratoren.

PVC/PMMA- Mischpolymere

Bei PMMA-sensibilisierten Patienten ist Luxene, trotz dem vorhandenen MMA-Anteil einer der am häufigsten genutzten Alternativkunststoffe. Er besteht aus ca. 60% Polyvinylchlorid (PVC), 32% Vinylacetat und 8% MMA. Vorteilhaft sind die hohe Schlag- und Dauerbiegefestigkeit und die geringe Wasseraufnahme, nachteilig ist die aufwendige Spezialapparatur für das Schmelz-Preß-Verfahren.

Polyacetale (=Polyoxymethylen, kurz POM)

Es handelt sich um einen teilkristallinen, thermoplastischen Kunststoff aus Formaldehyd bzw. Trioxan (Ring aus drei Formaldehydmolekülen). Das Material besitzt eine hohe Elastizität, die es sogar erlaubt, bei enger Indikation und entsprechender Einfärbung, zahnfarbene Klammern daraus herzustellen. Problematisch ist die mangelnde Reparaturfähigkeit.

Polyester

Prothesenkunststoffe auf Polyesterbasis werden thermoplastisch verarbeitet und besitzen eine hohe Härte, Bruchfestigkeit und geringe Wasseraufnahme.
Neben der aufwendigen Herstellung sollen auch die allgemeinen Probleme bei der Verarbeitung von Thermoplasten erwähnt werden.

Polycarbonate

Polycarbonate sind Thermoplaste, die aus einer Polykondensationsreaktion zwischen Kohlensäure und einem binären Alkohol hervorgehen. Zum Teil glasfaserverstärkt, besitzen sie eine höhere Schlagzähigkeit, Biegefestigkeit und Elastizität, sowie eine deutlich geringere Wasseraufnahme als PMMA. Aufgrund erheblicher Nachteile (Paßungenauigkeit wegen großer thermischer Kontraktion, aufwendige Verarbeitung) ist derzeit kein Produkt auf dem Markt. Allerdings stehen Polycarbonat-Tiefziehfolien zur Verfügung.

Polyamide / Polyurethane

Diese Thermoplaste weisen eine zu große Elastizität auf, woraus häufig Schäden an Prothesenlager und Restgebiß resultierten. Darüber hinaus quellen sie rasch und neigen zu Entfärbung und haben sich daher als Prothesenbasismaterialien nicht bewährt.

PMMA gilt heutzutage als Kunststoff, der nahezu alle Kriterien an einen idealen Prothesenbasiswerkstoff erfüllt. Andere Kunststoffe haben dennoch ihre Berechtigung, wenn man sich darüber klar ist, welche Eigenschaften man bei ihrer Anwendung erwartet oder in den Vordergrund stellen möchte. Entscheidend ist, genügend Informationen über die verschiedenen Materialien und Verfahren zu haben, um eine befundgerechte Auswahl treffen zu können.
Die europäische Norm EN ISO 1567 (2000) unterscheidet die Kunststoffe hinsichtlich der Initiation der Aushärtungsreaktion und gibt 5 Typ-Klassen vor.

Generelle Verarbeitungsprobleme: Schrumpfung und Restmonomer

Bei der Herstellung von Kunststoffprothesen treten einige verfahrensimmanente Probleme auf. Beispielsweise kommt es im Prozeß der Polymerisation aus reinem Monomer zu einer Materialschrumpfung von bis zu 20%. Um diesen Betrag deutlich zu reduzieren, werden heutzutage vorpolymerisierte Pulver, Thermoplaste oder spezielle Verfahren (z.B. Injektionsverfahren) verwendet.
Zusätzlich zur Polymerisationsschrumpfung führt bei allen Verfahren mit großem Temperaturgradienten beim Verarbeitungsprozeß die thermische Kontraktion während der Abkühlung zu inneren Materialspannungen und Paßungenauigkeiten. Besonders betroffen sind die palatinalen Anteile. Daher empfiehlt sich bei totalen OK-Prothesen eine individuelle dorsale Randabdämmung zur Sicherung des Saugeffekts.

Bei der Polymerisation wird nicht der gesamte Monomeranteil umgesetzt. Es verbleibt ein gewisser Restmonomergehalt, der bei Kaltpolymerisaten im Durchschnitt zunächst höher liegt als bei Heißpolymerisaten. Allerdings sorgt der weitere Umsatz in der Folgezeit schließlich für einen Vorteil der Kaltpolymerisate. In jedem Falle sollten zur weitgehenden Reduktion des Restmonomergehalts alle fertiggestellten Prothesen bzw. Kunststoffarbeiten für mindestens 24 Stunden im lauwarmen Wasser auslaugen können. Durch die Benutzung der bereits auspolymerisierten Thermoplaste kann man Polymerisationsschrumpfung und Restmonomergehalt weitgehend vermeiden. Dem- gegenüber besteht allerdings bei allen thermoplastischen Materialien ein schlechter oder gar kein chemischer Verbund zu Kunststoffzähnen. Des weiteren sind die Reparatur- bzw. Unterfütterungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Generell bleibt für alle Kunststoffe und Verfahren anzumerken, daß die strikte Einhaltung der Verarbeitungsvorschriften des Herstellers eine elementare Voraussetzung für eine gesicherte Qualität darstellt.

Verarbeitungsverfahren

Neben der Auswahl des geeigneten Kunststoffes spielt auch das entsprechende Verarbeitungsverfahren eine wichtige Rolle, um ein qualitativ hochwertiges Endprodukt zu erhalten. Derzeit werden folgende Verfahren genutzt:

Stopf-Preß-Verfahren

Bei diesem chemoplastischen Verfahren werden flüssiges Monomer und pulverförmiges Polymer zu einer teigartigen Konsistenz angemischt, in eine Gipshohlform gestopft und anschließend gepreßt. Die bei Kaltpolymerisaten spontan ablaufende Polymerisation findet bei Heißpolymerisaten in einem Überdruckkessel unter definierter Temperaturführung statt. Nachteile sind das Entstehen von Preßfahnen nach dem Zusammenfügen der beiden Küvettenhälften, die zwangsläufig zu einer Bißerhöhung führen und die fehlende Kompensation der polymerisationsbedingten Schrumpfung.

Injektionsverfahren

Beim chemoplastischen Injektionsverfahren erfolgt ein apparatives Einbringen (Injektion) des Monomer-Polymer-Gemisches eines Heiß- oder Kaltpolymerisates in eine geschlossene Küvettenhohlform. Vordosierte Kapseln und maschinelles Anmischen garantieren eine optimale Polymerisation. Die Schrumpfung des Kunststoffes soll durch Nachpressen von nichtpolymerisiertem Material kompensiert werden. In der geschlossenen Küvette können keine Preßfahnen entstehen und somit unbeabsichtigte Bißerhöhungen vermieden werden. Als Nachteil wäre der hohe technologische Aufwand unter Verwendung spezieller Einbettmassen zu nennen.

Gießverfahren

Hierbei werden zumeist flüssige Kaltpolymerisate in eine Gießküvette mit spezieller Dubliermasse gegossen und unter Druck bei 40°C bis 55°C im Wasserbad polymerisiert. Die verfahrensbedingte Zeitersparnis sollte gegen die höhere Polymerisationsschrumpfung und den apparativen Aufwand abgewogen werden.

Spritz-Guß-Verfahren

Der auspolymerisierte Thermoplast (haupt-sächlich PMMA) wird durch Erwärmung verflüssigt und unter hohem Druck in eine Spezialküvette mit besonderem Hartgips eingespritzt. Den Vorteilen von Thermoplasten (geringster Restmonomergehalt und fehlende Polymerisationsschrumpfung) steht der hohe technologische Aufwand gegenüber. Die Prothesenzähne müssen mit Retentionselementen versehen werden, da bei Thermoplasten keine genügende Anpolymerisation erfolgen kann.

Schmelz-Preß-Verfahren

Diese Kombination aus der Stopf-Preß- und Injektionstechnik wurde speziell für die Verarbeitung von Luxene entwickelt. Dabei wird vorpolymerisiertes, erwärmtes Gel in eine offene Küvette gestopft und nach deren Verschluß gepreßt und verdichtet. Die Polymerisation erfolgt dann im Wasserbad.

Allergie und Prothesen­unverträglichkeit

Allergiebedingte Prothesenunverträglichkeiten werden mit einer Häufigkeit von 0,2 bis 0,3% als sehr selten eingeschätzt. Dabei ist der Kunststoff selbst nicht das auslösende Allergen, vielmehr sind es seine unpolymerisierte Ausgangs- bzw. Beistoffe. So konnten anhand von Epikutantestdaten hauptsächlich Reaktionen auf den Initiator Benzoylperoxid und den Inhibitor Hydrochinon gefunden werden. Demgegenüber stellten sich die Monomere MMA und TEGDMA in erster Linie als für Zahntechniker berufsrelevante Allergene heraus.
In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, daß Latex- und Vinylhandschuhe keine ausreichende Barriere für Monomere darstellen! Diese Erkenntnis spricht sich leider viel zu langsam herum, noch immer wird relativ sorglos mit angeteigtem Kunststoffbrei umgegangen. Der niedrige Restmonomergehalt in fertigen Prothesen gilt dagegen als geringes Risiko für den Patienten.
Obgleich eine echte Kontaktallergie gegen Prothesenkunststoffe nicht vollkommen auszuschließen ist, kann festgestellt werden, daß die fertigen Prothesen bei vorschriftsmäßiger Herstellung chemisch und allergologisch inert vorliegen. Für eine Diagnose auf alleiniger Basis eines Epikutantests kommt erschwerend hinzu, daß selbst bei positiver Befundung (äußere Haut) dennoch eine klinische Verträglichkeit auf der Mundschleimhaut möglich ist. Zu einer Diagnose „Allergie“ gehört daher neben einem positiven Test immer das Vorhandensein einer klinischen Symptomatik. Generell sollte mit dieser Verdachtsdiagnose sehr zurückhaltend umgegangen werden, denn die wesentlich häufigeren Ursachen einer Prothesen­unver­träglichkeit sind mechanischer, mikro­bieller, endogener sowie auch psychischer Natur. Im Falle einer diagnostisch nachgewiesenen Allergie sollte man dann, nicht zuletzt aus forensischen Gründen, auf Kunststoffe zurückgreifen, die frei vom betreffenden Allergen sind.

Weichbleibende Prothesenmaterialien, Kieferorthopädie-Kunststoffe

Zur den weichbleibenden Basismaterialien gehören nur noch wenige Kunststoffe, statt dessen immer mehr Silikone. Sie unterliegen einer anderen ISO-Norm (ISO 10139). Eine Übersicht dieser Materialien wird ebenso wie eine Zusammenstellung der Kieferorthopädie-Kunststoffe in den folgenden Ausgaben erscheinen.
Sie sind aufgrund ihrer viskoelastischen Eigenschaften geeignet, okklusale Kraftspitzen etwas besser zu verteilen und damit eine spezielle Art von Druckstellen an der Schleimhaut zu vermeiden. Außerdem können sie durch Ausnutzung untersichgehender Räume in bestimmten Fällen den Prothesenhalt ver­­bessern. Sie sind daher indiziert bei einem stark atrophierten Unterkieferkamm, scharfen Knochenkanten, untersichgehenden Stellen, Exostosen bzw. sehr dünner Schleimhautbedeckung des Kieferkamms, aber auch bei Bruxismus und bei Prothesen mit natürlicher Gegenbezahnung [2,3,5]. Sie können für die gesamte Prothesenbasis oder auch nur für Abschnitte davon genutzt werden. Im letztgenannten Fall soll eine Belastungsumverteilung auf tragfähigere Schleimhautareale erreicht werden.

Indikationen
  • nach chirurgischen Eingriffen am Prothesenlager, z.B. nach präprothetischen Maßnahmen, Zahnextraktion oder bei partiell bzw. vollständig mukosal gelagertem Interimsersatz während der Einheilphase post implantationem,
  • Langzeit-Funktionsabformung über Stunden oder Tage: Wenn Halt und Tragekomfort einer Prothese über eine konventionelle Funktionsabformung nicht zu erreichen sind,
  • Konditionierung der Schleimhaut nach entzündlichen Gewebeirritationen, die zu einer Prothesenstomatitis geführt haben. Um dem Patienten das Tragen der Prothese während der Therapie- und Ausheilphase
  • zu ermöglichen, kann diese mittels einer weichbleibenden Unterfütterung der sich verändernden Schleimhautoberfläche angepaßt werden [7].
  • Aufbißschienen, Mundschutzapparaturen und Zahnfleischmasken,
  • Defektprothetik, Epithetik.

Materialien

Kunststoffe werden durch innere Weichmacher (spezielle Kopolymerisate im Makromolekül des Kunststoffs) und äußere Weichmacher (sie lockern die makromolekulare Struktur auf) dauerelastisch. Allerdings werden die nicht chemisch eingebundenen äußeren Weichmacher allmählich in Wasser eluiert, so daß deren Funktion zeitabhängig verloren geht. Kunststoffe mit dem Prinzip der äußeren Weichmachung sind für permanente Inkorporation deshalb abzulehnen.
Streng genommen ist die noch weit verbreitete Bezeichnung „weichbleibende Kunststoffe“ unkorrekt, denn mittlerweile haben sich auf diesem Gebiet zunächst kondensa­tions- und schließlich additionsvernetzende Silikone etabliert, also keine Polymerisate im klassischen Sinne. Sie besitzen auch auf Dauer hervorragende elastische Eigenschaften, sind dimensionsstabil, sehr gut bioverträglich und problemlos zu desinfizieren. In diesen Eigenschaften übertreffen sie alle weichen Kunststoffe. Aus Kartuschensystemen nahezu blasenfrei appliziert, besitzen sie eine homogene, dichte Struktur.

Allerdings kann bisher kein Werkstoff die Anforderungen an ein ideales Unterfütterungsmaterial komplett erfüllen. Diese sind:
1. Mundbeständigkeit
2. Gewebefreundlichkeit
3. glatte Oberfläche und Polierbarkeit
4. hohe Elastizität und gutes Rückstellvemögen
5. Paßgenauigkeit und Abrasionsfestigkeit
6. einfache Verarbeitung
7. Farbkonstanz
8. gute Adhäsion zum Prothesenkunststoff [4].

Verbunde zu anderen Werkstoffen

Der Verbund zum harten Basismaterial war in der Vergangenheit stets der Schwachpunkt der Kombination Silikon - PMMA. Eine rein mikromechanische Verankerung öffnet sich nämlich bei Belastung wegen der Resilienz des weichen Materials wie ein Reißverschluß. Auf Grund der unterschiedlichen chemischen Struktur von A-Silikon, PMMA und Metallen ist eine chemische Anbindung nur über eine Verbundschicht möglich, z.B. durch Klebung oder Lösungsmittel. Klebungen benötigen bei gleich gutem Ergebnis wie die Primer mehr Zeit und haben sich deshalb nicht durchgesetzt. Mit dem Lösungsmittel des Primers wird die Makromolekülstruktur des PMMA oberflächlich aufgelockert und ein spezielles Polymer eingebracht. Mit dem Verdunsten des Lösungsmittels kommt es zur Verfestigung der Kunststoffoberfläche und zum mechanischen Einbau der Kohlenstoffkette. Es bildet sich ein interpenetrierendes Polymernetzwerk, dessen mechanischer Verbund in seiner Festigkeit dem einer chemischen Bindung entspricht. Reaktive Gruppen des Primer-­Polymers stehen an der Oberfläche zur chemischen Bindung mit dem aufzubringenden A-Silikon bereit. Die Verbundfestigkeit wird durch die eigene Reißfestigkeit des Silikons bestimmt.

Um A-Silikone mit Metallen zu verbinden, muß die Metalloberfläche durch Korundstrahlen und Silikatisieren (ohne Silanisieren!) konditioniert werden. Zusätzlich empfiehlt sich das Anlegen von Unterschnitten. Die Ankopplung kann auch über eine zwischengeschaltete PMMA-Schicht erfolgen, die mit einem der üblichen Verbundverfahren auf das Metall aufgebracht wird. Daran wird das A-Silikon mittels Primer angekoppelt [8].

In Zug-Scher-Versuchen zeigte sich ein kohäsives Bruchverhalten, welches auch nach Langzeitwasserlagerung erhalten blieb. Durch Korundstrahlen und Silikatisieren der Legierungsoberfläche kann der grobmechanische Verbund zwischen A-Silikonen und Legierungen wesentlich unterstützt und Spaltfreiheit erreicht werden. Bei künstlicher Alterung bleiben diese teilweise kohäsiven Verbunde stabil.

Ver- und Bearbeitung weicher Materialien

Eine Bearbeitung der Materialien auf A-Silikon-Basis soll möglichst vermieden werden: Modellieren geht vor Bearbeiten. Im Mund bewirkt der Speichel eine sehr gut entprofilierte Oberfläche. Bei Verarbeitung im Labor muß der Gipskonter perfekt isoliert werden, da sonst alle mikroskopischen Unregelmäßigkeiten dieser Oberfläche von den prägescharfen A-Silikonen übernommen werden.

Geeignet sind Modellhärter oder Alginat-Isoliermittel in relativ dicker Schicht. Preßfahnen sollten mit einem scharfen Skalpell glatt abgeschnitten werden. Für die Führung des Skalpells ist eine exakt angelegte Randleiste im harten Kunststoff hilfreich. Es gibt keine Werkzeuge, die sich gleichermaßen zum Abtragen und Glätten eignen. Kühlung verbessert die Oberflächengüte nicht. Druck und Drehzahl haben im praxisüblichen Bereich (5.000 - 10.000 U/min) wenig Einfluß auf die Oberflächenqualität. Im Übergangsbereich von weichem und hartem Material sind Werkzeuge einzusetzen, deren Abtragsleitung an beiden Werkstoffen etwa gleich groß ist.

Mit geeigneten Werkzeugen lassen sich gegenwärtig Mittenrauhwerte zwischen 0,5 und 1 µm erreichen. Dies ist angesichts des Durchmessers von Mikroorganismen um 1 µm noch zu hoch. Für das Oberflächenfinish von weichen Kunststoffen auf A-Silikon-Basis stehen derzeit keine mundbeständigen „Lacke“ zur Verfügung, da keine wirksame chemische Anbindung an das Grundmaterial erfolgt [8].

Nachteile weichbleibender Prothesenkunststoffe

Problematisch ist die Haltbarkeit dieser Materialien aufgrund folgender Probleme:
  • ungenügende Abrasionsfestigkeit
  • Hartwerden von Kunststoffen durch Verlust der Weichmacher
  • Oberflächenrauhigkeit
  • Adhäsionsverlust zwischen elastischem und harten Prothesenmaterial
  • Farbveränderungen
  • Geruchsbildung
  • Besiedlung mit Mikroorganismen
  • Anfälligkeit gegenüber Prothesenreinigungsmitteln

All diese Faktoren können zu möglichen Folgeschäden an der Schleimhaut führen [1,2,3,4,6,7]. Weichbleibende Materialien sollten daher nur für einen begrenzten Zeitraum eingesetzt oder nach gewisser Zeit erneuert werden. Die auf der Oberfläche gelegentlich zu beobachtende Plaquebildung ist kein vorrangiges Problem der Chemie des Werkstoffs, sondern der bisher nur unzureichenden Oberflächenqualität, der schwierigen Hygienisierbarkeit und oralökologischer Besonderheiten [8].

Anmerkungen zur Herstellerübersicht

Weichbleibende Materialien unterliegen anderen ISO-Normen als harte Prothesenbasiskunststoffe (ISO 10139).

Die Härte ist der Widerstand, den ein Körper dem Eindringen eines härteren Körpers (Prüfkörper) entgegensetzt und bezieht sich auf die plastische Verformbarkeit von Materialien. Zur Prüfung von Elastomeren und weichen Kunststoffen dient das SHORE-A Verfahren, zur Prüfung von harten Kunststoffen bzw. Thermoplasten das SHORE-B Verfahren. Mit steigendem Wert (0 bis 100) nimmt auch die Härte zu.

Die Konsistenz wird als Änderung des Durchmessers eines Prüfkörpers durch Belastung mit einer definierten Kraft in Millimetern angegeben. Entsprechend der DIN ISO 10139-1 muß die Konsistenz zwischen 25 und 75mm liegen. Mit steigendem Wert nimmt auch das anfängliche Fließvermögen zu.

Der Penetrationstest beschreibt das Verhalten des weichbleibenden Materials im Wasser. Entsprechend der ISO 10139-1 gibt es einen Penetrationswert nach 2 Stunden (Soll < 1,8 mm) bzw. nach sieben Tagen (Soll > 0,18 mm) und das Penetrationsverhältnis beider zueinander (Soll < 5).
Beim Vergleich mehrerer Fabrikate ist derjenige Werkstoff weicher, dessen Pene­trationswert nach zwei Stunden näher an
1,8 mm oder dessen Wert nach sieben Tagen entfernter von 0,18 mm liegt.
Das Penetrationsverhältnis schließlich zeigt die Änderung der Materialfestigkeit eines Werkstoffes im zeitlichen Verlauf. Bei einem Verhältnis >1 nimmt die Material­festigkeit im Verlauf von sieben Tagen zu und bei einem Verhältnis <1 dementsprechend ab.

Autoren:
Dr. Sonja Tai
Zahnärztliche Gemeinschaftspraxis,
Alte Jakobstraße 81 / 82
10179 Berlin

Dr. Robert Strauch
Zahnarztpraxis
Langhansstr. 148
13086 Berlin

Literatur

1. Anil N., Hekimoglu C., Büyükbas N., Ercan M.T.: Microleakage study of various soft denture liners by autoradiography: Effect of accelerated aging.
J Prosthet Dent 84, 394-399 (2000).
2. Bulad K., Taylor R.L., Verran J., McCord J.F.: Colonization and penetration of denture soft linin materials by Candida albicans. Dent Mat 20, 167-175 (2004).
3. Nikawa H., Jin C., Makihira S., Egusa H., Hamada T., Kumagai H.: Biofilm formation of Candida albicans on the surfaces of deteriorated soft denture lining materials caused by denture cleansers in vitro. J Oral Rehabil 30, 243-250 (2003).
4. Reuling N., Siebert G.K.: Dentale Kunststoffe - werkstoffkundlicher Überblick und klinische Anwendung. ZWR 97, 42-49 (1988).
5. Saber-Sheikh K., Clarke R.L., Braden M.: Viscoelastic properties of some soft lining materials II - ageing characteristics. Biomat 20, 2055-2062 (1999).
6. Sertgöz A., Kulak Y., Gedik H., Taskonak B.: The effect of thermocycling on peel strength of six soft lining materials. J Oral Rehabil 29, 583-587 (2002).
7. Utz K.H.: Zur Indikation der Verwendung weichbleibender Kunststoffe. ZWR 96, 812-817 (1987).
8. Welker D.: Weiche Kunststoffe - Sorgenkind in der Zahntechnik? AG dentale Technologie 2001, Abstraktband.


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