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Abformung


 
Der Abformung kommt im Rahmen einer zahn­ärztlich-prothetischen Behandlung eine entscheidende Bedeutung zu. Sie ist und bleibt wohl auch für die nähere Zukunft gleichzeitig „Informationstransport und -medium“ von der zahnärztlichen Praxis in das zahntechnische Labor. Der Prozeß der Abformung wird so zum eigentlichen Bindeglied zwischen zahnärztlicher und zahntechnischer Arbeit. Der besondere Stellenwert entsteht dadurch, daß hierbei eintretende Fehler in der Regel nicht, bzw. nur durch Wiederholung des gesamten Arbeitsablaufes, korrigierbar sind. Die Qualität des Abformergebnisses entscheidet damit nach wie vor wesentlich über Erfolg oder Mißerfolg einer zahnärztlich-prothetischen Behandlung.

Abformmaterialien


Heute hat nur noch ein kleiner Teil der prinzipiell verfügbaren Materialien klinische Bedeutung. Für die Präzisionsabformung werden vornehmlich elastomere Abform- massen, zumeist Polyether und Silikone verwendet. Polysulfide sind hierzulande bedeutungslos geworden.

Polyether

Polyether werden vornehmlich im individuellen Löffel in einphasigen bzw. einzeitig-zweiphasigen Abformverfahren verarbeitet. Die Anwendung von Serienlöffeln ist zwar möglich, aber wegen der nur geringen Standfestigkeit des Materials nicht zu empfehlen. Aufgrund ihrer Adhäsivität sind Polyether zur Überabformung über Primärteile oder Übertragungskappen prädestiniert.
Eine Polyether-Abformung kann kurzzeitig in eine geeignete Desinfektionslösung eingelegt werden, jedoch ist eine Desinfektionszeit über mehrere Stunden zu vermeiden, da es zur Wasseraufnahme und Quellung kommen kann.

Silikone

Silikone sind universelle Abformmaterialien. Sie sind sowohl zur Abformung präparierter Zähne mit Hilfe aller einsetzbaren Verfahren (Korrektur- bzw. Doppelabformung, Sandwich- und Doppelmischtechnik, Einphasentechnik, Ringabformung), als auch zur Darstellung von Schleimhautarealen geeignet.
In der Zahnheilkunde werden zwei verschiedene Silikontypen genutzt: kondensationsvernetzende (K-Silikone) und additionsvernetzende (A-Silikone) Materialien.
Beim K-Silikon führt die nach der Aushärtung unvermeidliche Verdunstung des Alkohols zu einer Schrumpfung des Materials. Die Schrumpfung moderner K-Silikone läßt heute zwar eine Lagerung der Abformung über 12 bis 24 Stunden zu, jedoch sind längere Lagerungszeiten nicht zu empfehlen.
A-Silikone unterliegen bei der Lagerung keiner weiteren Schrumpfung, da bei der Reaktion kein Kondensat entsteht. Abformungen mit A-Silikonen können deshalb problemlos über mehrere Tage und sogar Wochen gelagert werden. Gegenüber vergleichbaren K-Silikonen sind E-Modul und Reißfestigkeit höher.

Zur Reduzierung der vorhandenen Hydrophobie sind mittlerweile nahezu allen A-Silikonen geeignete Zusätze beigefügt.
A-Silikone und Polyether werden bevorzugt in Kartuschensystemen geliefert, wodurch eine homogene Durchmischung der Massen garantiert ist und die Ergebnisse reproduzierbar sind.

Eigenschaften von Abformmaterialien

Neben verfahrensbedingten Einflußfaktoren existieren auch materialimmanente Ursachen für mögliche Mißerfolge. Neben der Auswahl einer geeigneten Methode kommt es also auch auf die Wahl eines geeigneten Materials an. Dazu sollen im Folgenden einige Begriffe, Normen und Daten kurz erläutert werden.

Konsistenzen

Abformmaterialien werden für ihre unterschiedlichen Einsatzzwecke und die unterschiedlichen Abformverfahren in verschiedenen Viskositäten angeboten. Die Variation der Konsistenzen wird durch unterschiedlich hohe Fülleranteile in den Materialien erreicht.

Shore Härte

Diese beschreibt die Oberflächenhärte eines elastischen Werkstoffes. Gemessen wird mit einem „Penetrometer“, das in 100 Skalenteile geteilt ist. Man unterscheidet Shore A- (normaler Meßbereich) und Shore D-Werte (erhöhter Meßbereich). Ein widerstandsloses Eindringen der Meßspitze in das Abformmaterial entspricht dem Wert 0 und keine Eindringung dem Wert 100.

Reißfestigkeit

Die Begriffe „Reißfestigkeit“ und „Zugfestigkeit“ werden häufig synonym verwendet, obgleich es sich physikalisch um zwei unterschiedliche Punkte auf der Arbeitslinie im Dehnungs-Spannungs-Diagramm handelt. Während die Zugfestigkeit die maximale Spannung darstellt, ist die Reißfestigkeit der Wert, der im Moment des Reißens gemessen wird. Zahlenmäßig sind beide Festigkeitswerte bei Silikon-Abformwerkstoffen häufig identisch oder liegen dicht beieinander. Je dünner die auslaufenden „Abformfahnen“ sind, umso höher sollte die Zugfestigkeit sein, um bei der unvermeidbaren Zugbeanspruchung während der Entnahme ein Ein- bzw. Abreißen des Abformmaterials zu vermeiden.

Lineare Maßänderung

Alle Abformmaterialien unterliegen wäh-rend der Abbindung und auch teilweise danach einer Schrumpfung, die von der Art des Materials und dem Füllkörperanteil abhängt. Je höher der Letztgenannt, um so geringer die Schrumpfung.
Der Betrag Δl beschreibt das Ausmaß der Längenänderung zur Ursprungslänge l0. Der Quotient Δl/l0 [in Prozent] heißt lineare Änderung/Schrumpfung (%lin.).

Thixotropie

Das Material hat in Ruhe eine sehr hohe Standfestigkeit bzw. Viskosität. Es tropft nicht und fließt nicht vom Löffel herunter. Wird Druck auf das Material ausgeübt, z.B. durch das Eindrücken auf die Zahnreihe, zeigt es sehr gut Fließeigenschaften. Die Viskosität sinkt durch den Druck.

Hydrophilie

Hydrophil („wasserliebend“) bedeutet eine geringe Interaktion des Abformmaterials im feuchten Milieu. Der Kontaktwinkel zwischen Wasser und dem Abformmaterial ist gering. Es findet eine gute Benetzung des Abformmaterials statt. Durch diese Eigenschaft kann das Abformmaterial an feuchte Bereiche (z.B. bei subgingivaler Präparation) gut anfließen.

Zeitbegriffe

Mischzeit: Die Zeit, die zur manuellen Anmischung eines Materials zur Verfügung steht (z.B. bei knetbaren Materialien). Bei Materialien, die im Dispenser oder Statikmischer zur Verfügung stehen entfällt diese Zeit. Gesamtverarbeitungszeit: Die Zeit, die maximal zur Verfügung steht, um die Abformung in Sollposition auf der Zahnreihe zu plazieren. Sie enthält die evtl. anfallende Mischzeit und die Zeit zur Applikation des Löffels.
Mundverweildauer: Die Zeit, während der die Abformung in situ gehalten werden muß, um eine korrekte Aushärtung zu gewährleisten.
Abbindezeit: Die Zeit, die das Abformmaterial vom Beginn der Verarbeitung bis zur korrekten Aushärtung benötigt. Sie setzt sich aus der Gesamtverarbeitungszeit und der Mundverweildauer zusammen.

Zusammenfassung

Mit den meisten Abformmaterialien sind mehr oder weniger gute Erfolge erreichbar. Wichtiger als die Auswahl eines bestimmten Materials erscheint jedoch ein strukturierter Arbeitsablauf beim „Prozeß der Abformung“. Nur durch eine konsequente Standardisierung der Arbeitskette kann man Dimensionsungenauigkeiten vermeiden und eine gleichbleibend hohe Präzision der Modelle erreichen. Dazu gehören neben der Auswahl von Material und Technik zahlreiche erfolgsrelevante Aspekte wie z.B. die Wartezeit zwischen Präparation und Abformung, die Vorbereitung des Parodontiums, die Löffelauswahl, die Anästhesie und die Mundhygiene sowie die Entnahmetechnik der Abformung aus dem Mund.
Unabdingbare Voraussetzungen für den Erfolg sind selbstverständlich die vorschriftsmäßige Verarbeitung der Materialien, die Einhaltung einer ausreichenden Verweildauer in der Mundhöhle und letztendlich eine sachgerechte Modellherstellung.
Resümierend muß festgestellt werden, daß sich Probleme nur dann verhindern lassen, wenn alle Punkte gleichermaßen Beachtung finden und diese in ein vereinheitlichtes Konzept eingebaut werden. Wenn es gelingt, diesen hohen Standard in der täglichen Routine am Patienten umzusetzen, wäre im Bereich der Abformung das Wesentliche erreicht.

Autor:
Dr. Peter Rehmann
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
(Leiter: Prof. Dr. P. Ferger)
Schlangenzahl 14, 35392 Gießen


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„Penetrometer“ zur Shore Härte Messung.








 

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