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Quo vadis Fortbildung?


 
Beobachtet man derzeit den Fortbildungsmarkt, fallen einige Entwicklungen besonders auf. Zum einen scheint ein großer Teil der deutschen Zahnärzte auf dem „Master of Science Weg“ zu pilgern. Ständig kommen neue, wohlklingende Master-Titel dazu. Und selbst­verständlich, so der Tenor, ist nur ein Master-Zahnarzt ein guter Zahnarzt. Befinden wir uns also auf dem kollektiven Marsch in die Spezialisierung?
Auf der anderen Seite hat die politische Vorgabe der Fortbildungspunkte zu einer gewissen Sammelleidenschaft geführt. Kein kleiner Abendvortrag findet mehr statt ohne den Hinweis auf die begehrten Punkte. Wählen wir Fortbildungsveranstaltungen nur noch nach Punktequantität aus? Blickt man vorsichtig hinter die Kulissen, fällt aber auf, daß viele Fortbildungsveranstaltungen – egal ob bei Akademien der Kammern, privaten Instituten oder der Dentalindustrie – mangels ausreichender Teilnehmerzahlen abgesagt werden müssen. Hat die gesundheitspolitisch erzeugte depressive Stimmung Deutschlands Zahnärzten die Lust auf Fortbildung vergällt?

Sicher ist von allem ein wenig richtig und vieles falsch. Angesichts einer Halbwertszeit des Wissens in der Zahnheilkunde von unter vier Jahren drängt sich eine Spezialisierung auf. Ob für die Ausbildung von Tätigkeitsschwerpunkten immer eine mehrjährige, kostenintensive Masterausbildung für den Erfolg in der Praxis erforderlich ist, darf hinterfragt werden. Offensichtlich werden hier auch wirtschaftliche Interessen der Anbieter gepflegt. Damit will ich die grundsätzliche Bedeutung dieser Ausbildung nicht in Frage stellen, halte aber eben einiges, was sich derzeit tut, für einen Trend. Und Trends laufen sich bekanntlich manchmal auch tot. Um den Überblick über das komplexe Wissen in der Zahnheilkunde zu behalten, darf Fortbildung nicht auf eine Spezialisierung alleine ausgerichtet sein.
Mit dem Tunnelblick auf ein „Lieblingssegment“ verlieren wir sonst all zu schnell die Zusammenhänge aus den Augen. Unsere Patienten werden von der ganzen Spezialisierung nur profitieren, wenn im Rahmen alter und neu zu schaffender Sozietätsstrukturen viel Schwerpunktwissen unter einem Dach vereint werden kann.

Die politische Forderung nach einem Fortbildungsnachweis über das Sammeln von Punkten fördert kurzfristig nur die Quantität von Veranstaltungen. Diese haben, studiert man die Werbung in Fachheften und in der täglichen Praxispost, atemberaubend zugenommen. Was zugleich die Ursache für die vielen Absagen ist. Hier wird sich innerhalb kurzer Zeit eine „Marktbereinigung“ abspielen. Es bleibt zu hoffen, daß sich dabei Qualität durchsetzt.

Kriterien für Qualität

Intensive Wissensvermittlung kann nur selten in Großveranstaltungen stattfinden. Der dabei praktizierte Frontalunterricht ohne ausreichenden Kontakt mit den Referenten und die fehlende Möglichkeit, auch intensiver nachzuhaken, hat rein informativen Charakter. Das kann der Zahnarzt viel bequemer durch die häusliche Lektüre von Fachheften und -büchern ersetzen. Nicht zu vergessen, daß auch die Fortbildung oder Recherche via Internet ein wachsender Markt ist: Fortbildung „just in time“, wenn der Zahnarzt die Information benötigt und/oder die Zeit dafür hat.
Unser Beruf ist geprägt vom praktischen Tun. Ein Zeichen von Qualität ist deshalb die unmittelbare Umsetzung gelehrter Theorie in eigenständiges Handeln. Dies kann nur in kleinen Gruppen erfolgreich gelebt werden. Der Referent muß jeden Teilnehmer individuell betreuen können. Bei schwierigen Hands-on-Kursen kann auch eine kleine Gruppe von Co-Referenten erforderlich sein. Dies vertieft die Wissensvermittlung und sichert damit ein Maximum an „Wissens-Gewinn“.

Ein wichtiger Beitrag für das Verständnis der Kursteilnehmer und den angestrebten Lernerfolg sind Live-Demonstrationen oder Live-OPs. Auf Bildern und in vorgefertigten Filmen ist alles machbar. Erst die Aktion „ohne Netz und doppelten Boden“ beweist den Praxisbezug. Gerade wenn dabei nicht immer alles reibungslos läuft können die Kursteilnehmer – vorausgesetzt der Referent kann auch schwierige Situationen meistern – wichtige praktische Tips und Tricks mit nach Hause nehmen.

Aus all diesen Anforderungen ergibt sich zwangsläufig ein weiteres Merkmal für Qualität: Die Ausstattung der Fortbildungsräume – z. B. Behandlungseinheit mit Kameratechnik oder Live-Übertragung in den Vortragsraum – und die Verfügbarkeit von Hilfsmitteln, wie etwa Phantomköpfe, Lupenbrillen für die Teilnehmer etc. machen effektiven Unterricht erst möglich. Der theoretische Vortrag im Konferenzraum eines Hotels über die praktische Durchführung von professionellen Zahnreinigungen ist „Schnee von gestern“. So kann effektive und qualitätsorientierte Fortbildung heute nicht mehr angeboten werden.

Bleibt noch mindestens ein wesentliches Kriterium für Qualität: Die persönliche Betreuung der Kursteilnehmer, die Verpflegung und das „Klima“. Ich kann bei gehobenen Kursgebühren über die Ausgabe von Essensmarken und Getränkebons gar nicht lachen. Zumindest Getränke – Wasser, Säfte, Kaffee und Tee –, Obst und Kleingebäck sollten großzügig gehandhabt werden. Und der persönliche Kontakt zum Referenten und der kollegiale Austausch in Essens-pausen und am Abend tragen nicht nur zu einer „Wohlfühlatmosphäre“ bei, sondern bieten ganz nebenbei eine Vielzahl kleiner – häufig aber wichtiger – Informationen.
Zahnärzte opfern ihre Zeit – häufig ihre Freizeit – für Fortbildung. Natürlich nicht nur freiwillig, denn wer sich verweigert muß mit Sanktionen rechnen und er verliert den Anschluß an den notwendigen Wissensstand für die Zukunft seiner Praxis. Ohne regelmäßige Fortbildung ziehen wir uns selbst den Boden unter den Füßen weg. Aber sicher ist: Fortbildung muß auch Spaß machen! Liebevolle Umsorgung, guter Service und der schon erwähnte enge kollegiale Kontakt sind dafür die Garanten. Auch aus diesem Grund sind arbeitsintensive Kurse in kleinen Gruppen ein echter Gewinn.

Bleibt die Frage nach der richtigen Auswahl des Fortbildungsinstituts. Da spielen selbstverständlich die Kompetenz und der gute Ruf des Referenten eine beachtliche Rolle. Und für einige Teilnehmer wird der zeitliche Aspekt und damit evtl. die Entfernung zum eigenen Standort eine Bedeutung haben.
Wie in unseren Praxen gilt aber auch für die Fortbildung als wesentlicher Faktor die Mundpropaganda. Zufriedene Zahnärzte erzählen begeistert von guten Kursen und besonders gut gelungen Rahmenbedingungen. Also, fragen Sie doch Ihre Kollegen nach deren Erfahrungen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Auswahl Ihrer Fortbildungen und einen optimalen Lernerfolg. Aber auch viel Spaß bei den Veranstaltungen und – mindestens genau so wichtig – beim Umsetzen in die tägliche Praxis.

Autor:
Dr. Reinhard Kanzler
Am Wasserschloß 9
91126 Schwabach


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Die persönliche Betreuung der Kursteilnehmer, die Verpflegung und das „Klima“ gilt als wesentliches Qualitätskriterium.









 

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