Themenübersicht: Prävention und Konser- vierende Zahnheilkunde
Zum Produktvergleich: Maschinelle Wurzelkanalaufbereitung

Die maschinelle Wurzelkanalaufbereitung mit NiTi-Instrumenten


 
Die Entwicklung und Einführung rotierend eingesetzter Nickel-Titan-Instrumente vor fast 20 Jahren markiert sicherlich einen der wichtigsten Fortschritte auf dem Gebiet der Endodontie. Aufgrund ihrer Materialeigenschaften gelingt mit diesem Instrumentarium in den meisten Fällen auch die Aufbereitung stärker gekrümmter Wurzelkanäle ohne erkennbare Begradigungen und andere Präparationsfehler, wie sie bei manueller Präparation häufig auftraten.

Ein beträchtlicher Teil der Zahnärzte verwendet diese Instrumente bereits in der täglichen Praxis. Ein leicht reduzierter Zeitaufwand und geringere Anstrengung bei der Präparation machen diese Systeme trotz hoher Kosten zu wertvollen Hilfsmitteln in der täglichen Routine. Mittlerweile liegen in mehreren hundert Studien auch ausreichend wissenschaftliche Nachweise für die klinische Tauglichkeit und Sicherheit dieser Instrumente vor.

Auf dem Markt finden sich zahlreiche unterschiedliche NiTi-Systeme, jedes mit spezifischen Eigenheiten hinsichtlich der Instrumentengeometrie und des Einsatzkonzeptes. Veränderte Spitzengeometrien mit abgerundeten Sicherheitsspitzen, seitliche Führungsflächen (radial lands), modifizierte Schneidflächen und Instrumentenquerschnitte, erhöhte und variierende Konizitäten sind nur einige der Neuheiten im Feilendesign. Zusammen mit neuen Präparationskonzepten (Crown-down) und verfeinerten Konzepten der chemischen Desinfektion (Wurzelkanalspülung) hat sich die Wurzelkanalaufbereitung in den letzten Jahren somit gravierend verändert.

Auch nach mehreren Jahren der experimentellen und klinischen Bewährung nimmt die Zahl dieser Nickel-Titan-Systeme immer noch weiter zu. Als ein bisheriges Resümee kann aber an dieser Stelle bereits festgehalten werden, daß die Auswertung der vorliegenden Literatur keine eindeutigen Hinweise auf die Überlegenheit eines bestimmten NiTi-Systems ergibt.

An welchen Kriterien kann sich der Praktiker denn dann orientieren? Zunächst muß das Feilensystem in das Gesamtkonzept integriert werden können und z. B. auf die bevorzugte Fülltechnik abgestimmt sein. Das System sollte so gewählt werden, daß auch die Mehrzahl der klinischen Fälle damit bewältigt werden kann. Der gegenwärtige Trend zu möglichst kleinen Feilensystemen bei teilweise auch sehr geringem apikalem Aufbereitungsdurchmesser ist unter diesem Gesichtspunkt kritisch zu hinterfragen: Je mehr Instrumente zur Verfügung stehen, um so mehr klinische Situationen können letztlich befriedigend gelöst werden. Bei den scheinbar günstigeren, zeitsparenden und bedienerfreundlicheren kleinen Feilensystemen mit teilweise nur noch 3-5 Instrumenten ist zu berücksichtigen, daß die Arbeit im Kanal dadurch ja nicht einfacher wird: jedes einzelne dieser wenigen Instrumente muß nun mehr Arbeit leisten, die Aufgaben der „fehlenden“ Instrumente mit übernehmen.
Ähnlich problematisch ist es, daß einzelne Hersteller versuchen, von der bewährten Crown-down-Technik wieder abzukommen und mit allen Instrumenten sogleich auf die volle Arbeitslänge zu gehen. Damit ginge einer der biologisch und mechanisch entscheidenden Vorteile der Crown-down-Technik verloren: die Reduktion des Wandkontaktes für jedes Instrument auf das erreichbare Minimum und die Reinigung des koronalen Kanalanteils vor Instrumentierung der Apikalregion.

Es geht nicht nur darum, schnell den Apex zu erreichen, sondern anschließend auch den apikalen Wurzelkanalanteil ausreichend zu erweitern und zu desinfizieren. Hierfür sind Feilen der Größen 30 und 35 oder Systeme mit nur 3 - 6 Instrumenten nicht immer ausreichend! Aufgrund ihres weit differierenden Designs und ihrer unterschiedlichen Einsatzkonzepte kann es auch durchaus sinnvoll sein, verschiedene Feilensysteme miteinander zu kombinieren (sog. Hybridtechniken). Auch die Herstellungsqualität der Instrumente und Motoren, des Firmenservice inklusive Einweisung und Reparatur, die Bereitstellung von Informationen über Drehmomente, Benutzungshäufigkeit und optimales Einsatzkonzept müssen - obwohl nur schwer zu bewerten - in die Entscheidung für ein bestimmtes System einfließen. Nicht immer schneiden hierbei die Systeme am besten ab, die scheinbar im Trend liegen, am billigsten sind oder besonders einfach zu handhaben sein sollen.

Einige Feilensysteme scheinen aufgrund ihrer Geometrie (hohe Konizitäten) stärker frakturgefährdet. Um die Arbeitssicherheit zu erhöhen, empfehlen die meisten Hersteller daher mittlerweile die Limitierung der Anwendungshäufigkeit, die Verwendung von Spezialmotoren mit Drehzahlkontrolle und Drehmomentbegrenzung und nicht zuletzt das intensive Training vor der klinischen Erprobung am Patienten. Aus Gründen der Sicherheit sollte auf die Anwendung eines Antriebssystems, das auf das präferierte Feilen- system zugeschnitten ist, nicht verzichtet werden. In Bezug auf die Fraktursicherheit scheinen keine erkennbaren Unterschiede zwischen den verschiedenen Antriebssystemen vorzuliegen.

Es wird also deutlich, daß es alleine mit dem Erwerb der NiTi-Instrumente nicht getan ist. Ihr Einsatz hat nur Sinn als ein Bestandteil eines umfassenden, in sich konsistenten Behandlungskonzepts, beginnend mit sorgfältiger Diagnostik, der Arbeit unter aseptischen Bedingungen, einer intensiven Desinfektion und abschließenden dichten Obturation des endodontischen Systems. NiTi-Instrumente sind keine Zaubermittel, sie sind nicht für alle klinischen Situationen gleichermaßen geeignet und werden auch in Zukunft die Anwendung von Handinstrumenten nicht ersetzen können.
Es kann aber konstatiert werden, daß die Anwendung sowohl der NiTi-Instrumente als auch der drehzahl- und drehmomentkontrollierten Motoren die Präparation gekrümmter Wurzelkanäle deutlich erleichtert und verbessert. Sie haben ihre klinische Bewährungsprobe bestanden und zudem auch in zahlreichen experimentellen Untersuchungen ihre Tauglichkeit nachgewiesen.
Unberührt hiervon bleibt die alte Erkenntnis, daß letztlich nicht die verwendete Feile der entscheidende Faktor ist, sondern die Hand, die mit dieser Feile arbeitet.

Autor:
Prof. Dr. M. Hülsmann
Abteilung Zahnerhaltung,
Präv. Zahnheilkunde und Parodontologie
Robert-Koch-Str. 40
37099 Göttingen


Zum Produktvergleich: Maschinelle Wurzelkanalaufbereitung

Mit NiTi-­Systemen können auch stark gekrümmte Wurzelkanäle ohne Begradigung präpariert werden.


Nicht alle klinischen Fälle sind für die Aufbereitung mit rotierenden NiTi-Systemen geeignet. Hier ist der klinische Erfolg primär auf die Desinfektion durch die Wurzelkanalspülung zurückzuführen.







 

www.dentalkompakt-online.de

ist eine kostenlose und unverbindliche Vergleichsplattform für Dental-Produkte, Dental-Materialien und Dental-Geräte. Die Rubriken

Produktvergleiche für Zahnarztpraxen

und

Produktvergleiche für Dentallabore

sind unterteilt in die verschiedenen Fachgebiete, wie

Implantologie

,

Parodontologie

oder

Kieferorthopädie

bzw.

Laborführung

,

CAD/CAM

oder

Totalprothetik

. Innerhalb dieser Fachgebiete finden Sie die einzelnen Leistungsvergleiche zu den verschiedenen Dental-Produkten, Dental-Materialien und Dental-Geräten, wie

Implantatsysteme

,

Behandlungseinheiten

oder

CAD/CAM Systeme

. Außerdem finden Sie zu jedem Produktvergleich einen passenden Fachartikel, wie beispielsweise im Bereich

Prävention und Konservierende Zahnheilkunde

. Nutzen Sie das Vergleichen von Produkten auf

www.dentalkompakt-online.de

als kostenlose und unverbindliche Grundlage bei Investitionsentscheidungen für die Zahnarztpraxis oder das Dentallabor.