Themenübersicht: Prävention und Konser- vierende Zahnheilkunde
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Bleichen


 
Bereits die Römer wandten zum Zähneputzen den Zahnweißmacher Urea an. Im Mittelalter bleichten die Barbiere zuvor mit Eisenraspeln bearbeitete Zähne mit verschiedenen Mixturen, eine davon hieß Aquafortis und war ein salpeterhaltiges
Gemisch. Heutzutage befriedigt die Industrie den uralten Wunsch nach helleren Zähnen mit wesentlich verträglicheren Produkten.
Um Zahnverfärbungen aufzuhellen oder zu beseitigen, muß zunächst eine sorgfältige Abklärung der Verfärbungsursache erfolgen. Dazu dient neben der Anamneseerhebung eine professionelle Zahnreinigung und die Registrierung aller zahn- medizinisch relevanten Befunde durch den Zahnarzt.

Die Zahnverfärbungen

Zahnverfärbungen können intern und extern vorliegen und sowohl prä- als auch posteruptiv entstehen. Sind Art und Ursache der Farbanomalie bekannt, läßt sich daraus eine entsprechende Therapie ableiten. Externe Zahnverfärbungen sind als Auflagerung von Chromogenen zu verstehen: Lebensmittelfarbstoffe, Tabak, Rotwein, Kaffee, Tee, Medikamente (z.B. nitrat- oder eisenhaltige Präparate). Auch Plaque und Zahnstein können externe Verfärbungen hervorrufen. Derart entstandene Verfärbungen lassen sich im Rahmen der Individualprophylaxe beseitigen.

Interne Zahnverfärbungen werden durch die Anwesenheit färbender Substanzen innerhalb des Zahnes während des Durchbruches verursacht. Häufig ist es allerdings schwierig, die Ursache allein anhand des klinischen Bildes zu bestimmen. Anamnestische Besonderheiten des Patienten, wie z.B. Medikamenteneinnahme können helfen. Diese Farbveränderungen können durch mechanische Reinigung nicht behoben werden, da sie sich in der Tiefe der Hartsubstanz manifestieren.

Die Zahnaufhellung

Es wird in methodischer Hinsicht das Bleichen wurzelkanalbehandelter von dem vitaler Zähne unterschieden. Wurzelkanalbehandelte Zähne werden intern, vitale Zähne extern gebleicht. Für wurzelkanalbehandelte Zähne werden Natriumperborat mit Wasser oder Natriumperborat mit 3%igem Wasserstoffperoxid eingesetzt.
Die Aufhellung des Zahnes ist heute durch geringen praktischen und finanziellen Aufwand für fast jedermann realisierbar. Sie ist nunmehr nicht mehr nur Sache des Zahnarztes. Im Handel werden entsprechende over-the-counter-Produkte praktisch von jedem renommierten Hersteller angeboten und in den Medien beworben.  Bleichen sollte konsequent in der Hand des Zahnarztes liegen oder zumindest unter seiner Aufsicht erfolgen, da nur er die entsprechende Diagnose stellen und die zunächst erforderlichen Maßnahmen (Kariesentfernung, Wurzelkanalbehandlung) durchführen kann. Die Bleichprodukte können, wenn sie unter zahnärztlicher Verantwortung und entsprechend den Herstellerangaben angewendet werden, als klinisch unbedenklich angesehen werden.

Nebenwirkungen

Es wird gelegentlich über eine erhöhte Sensibilität der Zähne nach dem Bleichen berichtet. Eine histologische Untersuchung zeigte, daß es unmittelbar nach dem Bleichen mit 30%igem Wasserstoffperoxid unter Wärmezufuhr zu Leukozyteninfiltration, Odontoblastenkernaspiration und Reizdentinbildung kommt. Diese Veränderungen waren jedoch nach zwei Monaten nicht mehr nachweisbar, also reversibel [Cooper et al. 1992]. Die Schädigung der Pulpa ist im Zusammenhang mit dem Bleichen insofern zu vernachlässigen, als sie meist auf die steuerbare Wärmeapplikation während der Bleichbehandlung zurückzuführen ist [Bowles and Thompson 1986]. Leonard et al. berichten 1998, daß Aufhellungsverfahren von den Patienten allgemeinen gut vertragen werden. Nebeneffekte wie etwa temporäre Hypersensitivität des Dentins sowie Gingivairritationen hingegen selten sind. Es wird vermutet, daß Gingivairritationen in den Bereichen auftreten, wo die Tiefziehschiene nicht nur die Zähne, sondern auch das Zahnfleisch überdeckt und dadurch das Gel mit der Gingiva in Kontakt kommt. Bei korrekter Durchführung einer Therapie mit Carbamidperoxidgelen wurden bis jetzt keine klinisch sichtbaren Veränderungen der Schmelzoberfläche beobachtet.

Der Erfolg des Bleichens hängt von der Ursache der Zahnverfärbung, von der korrekten Auswahl und Durchführung einer geeigneten Methode sowie vom Mund­hygie- neverhalten des Patienten ab. Bei korrekter Durchführung mit Carbamidperoxid und Wasserstoffperoxid sind keine irreversiblen klinisch sichtbaren Schäden der Zahnhartsubstanzen und der Mundschleimhaut zu erwarten.

Autor:
Dr. Mozhgan Bizhang
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Westdeutsche Kieferklinik
Poliklinik für Zahnerhaltung und
Präventive Zahnheilkunde
Sektion Parodontologie
Moorenstr. 5
D-40225 Düsseldorf


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