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Pulver-Wasser-Strahlgeräte zur Zahnreinigung


 
Pulver-Wasser-Strahlgeräte (PWS) entfernen Verfärbungen und weiche Beläge zeitsparend und effizient auch an schwer zugänglichen Stellen, die oftmals durch Multibracketapparaturen entstehen [5]. Das erste dieser Geräte war das Prophy-Jet der Firma Dentsply. Seither wurden zahlreiche andere Systeme auf den Markt gebracht, sodaß man heute unter mehr als 20 Typen auswählen kann. Generell lassen sich zwei Gerätegruppen unterscheiden: die fahr- oder tragbaren PWS und solche, die fest an die Behandlungseinheit angeschlossen werden. Einige Geräte erfordern einen separaten Druckluft und Wasseranschluß, während andere über Kupplungen für den Turbinenanschluß verfügen.

Fast alle Hersteller verwenden als Pulver Natriumbicarbonat (Backpulver), das in einem Gemisch mit Wasser und Druckluft auf die Zahnoberflächen geblasen wird und abrasiv wirkt. Die Hersteller bieten jeweils eigene Pulver an, zum Teil jedoch ohne genaue Angaben über deren Inhaltsstoffe zu machen. Das Strahlmittel für das Prophy-Jet-30 enthält 95 % Natriumbikarbonat und 5 % Kalzium-Phosphat bei einer mittleren Teilchengröße von 45 µm innerhalb eines Strahls mit Druckluft- und Warmwasser. Natriumbikarbonat wurde als Abrasiv ausgewählt, da es biokompatibel ist [3, 5, 20]. Darüber hinaus sind auch Aromastoffe und Hilfsstoffe, die ein Verklumpen vermeiden sollen, enthalten [20]. Um den salzigen Geschmack des Prophylaxepulvers zu kaschieren, fügen viele Hersteller noch Geschmackszusätze zu, z. B. Zitronen-, Pfefferminz- oder Orangen-Aroma.
PWS eignen sich zum Entfernen weicher Beläge und Verfärbungen auf Zähnen und Zahnersatz besonders bei Patienten während einer orthodontischen Behandlung [3, 7, 8, 10, 11, 24]. Auch zum Reinigen vor einer Fluoridierung [2] oder aber zum Säubern von Implantathälsen und -köpfen kann ein PWS angewandt werden [1, 8, 18]. Die konventionelle Anwendung in der Parodontologie zum Glätten von Wurzeloberflächen ist in den Hintergrund getreten [13, 14, 15, 22]. Für das Airflow bieten die Firmen EMS und 3M/Espe jedoch ein weniger abrasives Pulver an, das speziell zur Anwendung in parodontalen Taschen bis fünf Millimeter Sondierungstiefe entwickelt wurde [13, 16]. Dieses Pulver (ClinPro) besteht vorwiegend aus Glycin. Zur Reinigungswirkung von ClinPro auf unterschiedlichsten Materialien liegen bislang jedoch nur wenig Daten vor.
Das Natriumbikarbonat-Wasser-Gemisch wird am besten in einem Winkel von 60 bis 90° und einer Entfernung von 3 bis 5 mm auf die zu reinigende Oberfläche gestrahlt. Dabei sollte das Spray auf das mittlere Drittel der Krone gerichtet werden. Es ist zu vermeiden, den Reinigungsstrahl direkt auf Gingiva, Sulkus, Komposit- und Zementfüllungen oder freiliegende Zahnhälse zu richten [3, 4, 5], ebenso ist die Anwendung auf demineralisiertem Schmelz kontraindiziert [19].
Der Pulver-Wasser-Strahl soll niemals direkt auf die Gingiva gerichtet werden, da es nicht nur zur Schädigung kommen kann, sondern durch in den Blutkreislauf eingeblasene Luft zudem ein Emphysem entstehen kann [21]. Bei Herzgesunden besteht keine Notwendigkeit zur Endokarditisprophylaxe [6], bei Risikopatienten wird jedoch nach den Richtlinien der American Heart Association eine antibiotische Prophylaxe auch bei Hygienemaßnahmen empfohlen, wenn eine Blutung zu erwarten ist [17], die bei PWS-Anwendung häufig auftritt.

Da es bei der Benutzung zu einer heftigen Aerosol-Bildung kommt, ist das Tragen einer Schutzbrille sowohl für Behandler als auch Patient zu empfehlen und auf eine gute Absaugung zu achten. Die Keimzahl sollte durch vorheriges Spülen mit Chlorhexidin reduziert werden. Bei infektiösen Patienten (z. B. Tuberkulose, Hepatitis) sind PWS kontraindiziert. Aufgrund des austrocknenden Effekts des Prophylaxepulvers ist es für die Patienten angenehm, wenn die Lippen vor der Reinigung etwas eingefettet werden. Nach der Zahnreinigung ist eine Fluoridierung zu empfehlen.

Leider liegen nur wenige Untersuchungen zur resultierenden Rauigkeit und dem Materialabtrag auf Zahnhartsubstanzen bzw. Füllungs- und Befestigungsmaterialien vor [8, 9, 12]. Diese zeigen jedoch, daß es deutliche Unterschiede gibt. Während einige Geräte bei sach- und indikationsgemäßer Anwendung zu Oberflächen führen, die der Cleanic-Paste-Wirkung vergleichbar sind, sind andere Geräte wesentlich aggressiver und erfordern eine Nachpolitur [8, 9].
Bei einigen Geräten kommt es relativ häufig zu ärgerlichen Verstopfungen, was natürlich in den Prospekten nicht angegeben wird. Es lohnt sich also immer, vor der Anschaffung Kollegen zu konsultieren, die mit solchen Geräte schon praktische Erfahrungen haben. Denn dazu kann man in der nachfolgenden Produktübersicht ebenso wenig Angaben finden wie zu dem Effekt der Stellknöpfe die in unterschiedlicher Zahl an verschiedenen Geräten angebracht sind.

Autor:
Prof. Dr. Paul-G. Jost-Brinkmann
Charité - Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde
Institut für Kieferorthopädie,
Orthodontie und Kinderzahnmedizin
Aßmannshauser Straße 4-6
14197 Berlin

Literatur

1. Borchard R: Einfluß eines Pulverstrahlgerätes auf plasmabeschichtete und unbeschichtete Titanober flächen in vitro. Zahnmed. Dissertation, Berlin, 1996.
2. Boyde A: Airpolishing effects on enamel, dentine, ce ment and bone. Br Dent J 156: 287-291, 1984.
3. Castagnola L, Wirz J, Garberoglio R: Die Reinigung der Schmelzoberfläche von Plaque und starken Verfär- bungen mit dem Prophy-Jet. Quintessenz 34: 963-972, 1983.
4. de Boever JA, Vande Velde F: Pulverstrahlgeräte zur Belagsentfernung. Eine klinische und rasterelektronen mikroskopische Studie. Dtsch Zahnärztl Z 40: 725- 729, 1985.
5. Gerbo LR, Barnes CM, Leinefelder KF: Applications of the air-powder polisher in clinical orthodontics. Am J Orthod Dentofac Orthop 103: 71-73, 1993
6. Jost-Brinkmann P-G, Schiller RA, Jost-Brink- mann, B: Untersuchung zur Häufigkeit transitorischer Bakteriämien durch Zahnreinigung mittels Pulverwasserstrahlgeräten. Quintessenz 45: 1677-1687, 1994.
7. Jost-Brinkmann P-G: Air-Flow S1-Wirkung auf Ze- mente. ZWR 108: 663-668, 1999.
8. Jost-Brinkmann P-G: Wirkungen und Nebenwirkun- gen von Pulver-Wasser-Strahlgeräten bei regelmäßiger Anwendung in der Orthodontie. Habilitationsschrift, 1997.
9. Jost-Brinkmann P-G.: Prophylaxe in der Kieferor- thopädie - Was ist anders? In: Roulet J-F, Zimmer S, editors. Prophylaxe und Präventivzahnmedizin. Stutt- gart: Thieme; 2003. p. 147-156.
10. Mishkin DJ, Engler WO, Javed T, Darby TD, Cobb RL, Coffman MA: A clinical comparison of the effect on the gingiva of the Prophy-Jet and the rubber cup and paste techniques. J Periodontol 57: 151-154, 1986.
11. Munley M, Everett M, Krupa C, Somerman M, Suzuki I: Removal of extrinsic stain by air powder polishing. J Dent Res 66: 151 (Abstr. 356), 1987.
12. Nedwed V.: Untersuchung zu den Wirkungen eines Pulver-Wasser-Strahlgerätes auf Zahnschmelz und ver- schiedene Füllungs- und Befestigungsmaterialien in der Kieferorthopädie. Eine In-vitro-Studie zum Pro- phyflex 2. Zahnmed. Dissertation, Berlin, 2003.
13. Petersilka GJ, Bell M, Häberlein I, Mehl A, Hickel R, Flemming TF: In vitro evaluation of novel abrasive air polishing powders. J Clin Periodontol 30: 9-15, 2003.
14. Petersilka GJ, Bell M, Mehl A, Hickel R, Flemming TF: Root defects following air polishing. An in vitro study on the effects of working. J Clin Periodontol 30: 165-168, 2003.
15. Petersilka GJ, Schenck U, Flemming TF: Powder emission rates of four air polishing devices. J Clin Peri- odontol, 29: 694-698, 2002.
16. Petersilka GJ, Steinmann D, Häberlein I, Flemming TF: Subgingival Plaque Removal by a novel low abra- sive airpolishing powder. J Dent Res 80: 550 (Abstr. 190), 2001.
17. Polansky R, Reisinger EC, Lorenzoni M: Antibioti - sche Prophylaxe der infektiösen Endocarditis in der modernen zahnärztlichen Behandlung. Stomatologie 96 (6): 155-159, 1999.
18. Rabing U: Implantate - ein neuer Fokus in der Indivi- dualprophylaxe. ZMK 9, 596-599, 2002.
19. Schiffner U: Die Einwirkung eines abrasiven Pulver- strahles auf artifiziell demineralisierten Schmelz. Dtsch Zahnärztl Z 57 (11): 778-781, 1992.
20. Schulte A: Auswirkungen von Wasser-Pulverstrahl- geräten auf Zahnhartgewebe und Restaurationsmate- rialien. ZMK 19: 18-23, 2003.
21. Schulte A: Emphyseme durch Verwendung von Pul- verstrahlgeräten. ZMK 10: 660-663, 2000.
22. Topoll H, Horvath G, Lange DE: Über die Ober- flächenbeschaffenheit des Zahnschmelzes, des Wurzel- zementes und des Dentins nach Einwirkung von Ultra- schall und nach Abstrahlung mit einem Wasser-Natri- umbikarbonat-Gemisch. Dtsch Zahnärztl Z 40 (7): 755-758, 1985.
23. Weaks LM, Lescher NB, Barnes CM, Holroyd SV: Clinical evaluation of the Prophy-Jet as an instrument for routine removal of tooth stain and plaque. J Peri- odontol 55 (8): 486-488, 1984.
24. Willmann DE, Norling BK, Johnson WN:A new prophylaxis instrument: effect on enamelalterations.
J Am Dent Assoc 101 (6): 923-925, 1980.



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