Themenübersicht: Prävention und Konser- vierende Zahnheilkunde
Zum Produktvergleich: Kariesdiagnostik

Kariesdiagnostik – aktuelle Methoden


 
Dem Kariessymptom – der Läsion in der Zahnhartsubstanz – ist der Großteil der zahnmedizinischen Bemühungen gewidmet. Dieses Herangehen wird durch Versicherungssysteme wie das unsrige gefördert, die den schon verursachten Schaden als Voraussetzung für finanzielle Leistung ansehen. Für diese Art der „Schadensfeststellung“ würde genügen, wenn der „Gutachter“ Zahnarzt mit Spiegel und Sonde bewaffnet die „Schäden“ zählte, Inhalt des heute üblichen 01-Befundes. Patienten sehen in der umfassenden Beratung aber ein Hauptkriterium für die Beurteilung des Zahnarztes. Als Behandler sollte man daher darüber nachdenken, wenn in der „Routine 01“ wieder Sekundärkaries diktiert wird.

In den Ohren des nicht oder schlecht informierten Patienten kommt das gehörte als „Karies ist Schicksal – nicht zu vermeiden“ an. Dieser Eindruck untergräbt die Glaubhaftigkeit eines dem Patienten angebotenen professionellen Prophylaxeprogramms. Ein mehr an Diagnostik zur Einschätzung des Kariesrisikos ist daher angebracht. Hierzu bieten sich zwei Möglichkeiten an:

  1. Die Laserfluoreszenzmessung (Diagnodent) um das Symptom „Mineralverlust“ der Karies in einem früheren, möglichst reversiblen Stadium und zuverlässiger als durch klinische Inspektion oder Röntgen erkennen zu können.
  2. Chairside Testbestecke zur Bestimmung einer der wesentlichen Ursachen der Karies, der bakteriellen Belastung durch entsprechend relevante Keime. Damit kann eine kausale und gleichzeitig präventive Therapie der Karies eingeleitet und auch überprüft werden.


Die Bemühungen der Zahnärzte um eine bessere Zahngesundheit haben in den letzten Jahren zweifellos Erfolg gehabt. Damit stellen sich „kariöse“ Schäden heute aber auch nicht mehr so leicht dar – vielmehr haben wir vermehrt mit dem Problem der versteckten („hidden“) Karies zu kämpfen, wo unter einer intakten klinischer Oberfläche massive bakteriell bedingte Demineralisationsprozesse ablaufen. Diese werden klinisch erst erkannt, wenn der kariöse Prozeß zur Pulpitis geführt hat. Auch deshalb ist das Spektrum der Diagnostik-Methoden zu überdenken.

Modernere Methoden als „Spiegel plus Sonde“ stehen seit Jahren auf dem Markt zur Verfügung, sind wissenschaftlich sauber dokumentiert und werden bereits eingesetzt. Es erscheint sogar denkbar, daß Patienten, bei denen eine „hidden caries“ womöglich zu Zahnverlust geführt hat, ihren behandelnden Zahnarzt erfolgreich wegen Pflichtverletzung auf Schadensersatz verklagen könnten. In den USA bereits ein beliebtes Spiel für Patienten, die regelmäßig den empfohlenen Zahnarztbesuch wahrnehmen und durch ihren Anwalt als „supervised neglected“ eingestuft werden. Dort wurde ein System zur Risikobetreuung der Patienten patentiert (www.previzer.com), das zunehmend von kooperierenden Versicherungen und Zahnarztnetzwerken genutzt und gegenüber den Patienten propagiert wird. Dieses System basiert auf ähnlichen Kriterien wie das hierzulande verfügbare OHManagement™ der Stiftung zur Förderung der Gesundheit (IHCF www.ohmanager.org). Eine wachsende Zahl von Zahnarztpraxen, die in einem Netzwerk für „Dental Excellence“ zusammen arbeiten (www.dentalexcellence.de),  nutzt dieses Konzept mittlerweile.
Jeder Kollege sollte heute mit den Möglichkeit der verbesserten Kariesdiagnostik vertraut sein, um mit einer den Namen verdienenden Individual-Prophylaxe Patienten an die Praxis durch nachweislich erfolgreiche Gesunderhaltung zu binden.
Dazu existieren ganz unterschiedliche methodische Ansätze: Geräte, Testbestecke und Konzepte. Zunächst ist eine Auswahl im Hinblick auf die zahnmedizinische Notwendigkeit zu treffen: Welche klinische Situation oder anamnestische Aussage möchte ich durch eine zweite Diagnose absichern? Die Beantwortung dieser Frage soll am chronologischen Verlauf der Karies als einer Infektionserkrankung dargestellt werden, bei der Mutans Streptokokken als Leitkeime anzusehen sind.

1. Gesund

Ein klinisch gesunder Patient kann durchaus einer latenten Kariesgefährdung ausgesetzt sein, wenn die Zahnflächen generell oder auch lokalisiert eine hohe Mutans Streptokokken-Besiedlung aufweisen. Dieser Zustand kann nur mit entsprechenden Testbestecken geprüft (Dentocult SM, CRT, Cario-Check) oder gezielt in Plaqueproben nachgewiesen werden (Dentocult SM).

2. Klinisch Gesund aber bakteriell aktiv

Werden die oben nachgewiesenen Bakterien nicht „gefüttert“, steht ihnen also nicht genügend Substrat zur Verfügung, findet keine bakteriell bedingte Demineralisation statt. Ob eine solche Situation – bedingt etwa durch Ernährungsgewohnheiten – vorliegt, kann anhand der Anamnese vermutet werden und ist in gewisser Weise auch durch den Nachweis gleichzeitig vorhandener Lactobacillen (Dentocult LB, CRT, Cario-Check) verifizierbar. Optimal ist es, wenn die bakterielle Aktivität aller an der Lactatbildung beteiligten Bakterien in einer solchen Situation bestimmt werden kann, was heute mit Cario L-pop möglich ist.

3. Progredienz der Karies

Karies im Sinne der Symptomausbildung ist ein sehr langsamer Prozeß, der durch die heute übliche Fluoridversorgung noch mehr Zeit braucht als früher. Auch die Selbstschutzsysteme im Speichel des Patienten spielen eine Rolle dabei. Sinnvolle Hinweise liefert hier eine Analyse der Fließrate und Pufferkapazität (Dentobuff, CRT, Cario-Check). Eine echte Verlaufsdiagnostik klinisch nicht sichtbarer Karies ist aber nur durch Fluoreszenzmessung (Diagnodent) oder Widerstandsmessung (ECM) möglich.
 
„Bohren“ oder nicht

Diese Frage interessiert den Patienten am meisten, aber auch den auf präventive und mikroinvasive Zahnheilkunde ausgerichteten Behandler. Hier liefert das Diagnodent-Gerät die bestmöglichen Hinweise über Grad und Ausmaß des nicht sichtbaren kariösen Prozesses. Moderne, mikro- oder auch nicht-invasive Zahnheilkunde versucht den kariösen Prozeß im Frühstadium zu stoppen und eine Selbstheilung via Mineraleinbau aus Speichel oder entsprechenden Remineralisationspräparaten zu erreichen. Eine neue Therapiemöglichkeit bietet die Healozone-Methode oder „Antibakterielle photodynamische Therapie“ (Helbo), die bei Patienten, da schnell und völlig schmerzfrei, hervorragend ankommt. All diese Tests und diagnostischen Möglichkeiten sind jedoch nur sinnvoll, wenn sie dokumentiert, im Betreuungsablauf wiederholt und mit dem Patienten besprochen werden können, um auf diese Weise das therapeutische Konzept nachhaltig zu bestimmen. Hierzu empfiehlt sich z.B. der Einsatz der OHManager-Software und des OHManagement Konzepts.

Tue gutes und rede darüber

Ein bei jedem Neupatienten routinemäßig durchgeführter Nachweis auf Befall durch Mutans-Streptokokken als dem „Leitkeim“ für Plaquebildung und Karies, eröffnet die Chance, den Patienten für eine professionelle Prophylaxe und risikobasiertes Gesunderhaltungsprogramm zu gewinnen. Diese Erfahrungen machen alle, wenngleich bis heute immer noch wenige Kollegen, die sich von der „Einzelvergütung“ als alleiniges Prinzip der Vermarktung zahnärztlicher Leistung verabschiedet haben. Wir „investieren“ daher ca. 4,20 Euro in die Akquise eines nachhaltig gebunden Prophylaxe-Patienten, indem wir einen SM Test durchführen, diesen mit dem Patienten besprechen und  ihn selbst die Zuordnung mittels des Ergebnis-Charts machen lassen. Man provoziert beim Patienten regelmäßig die Frage „was kann man da machen“, wenn ihm die kausalen Zusammenhänge zwischen der Prävalenz der SM Bakterien und dem Erkrankungsrisiko seriös klar gemacht wurden. Da ein Prophylaxepatient pro Jahr ca. 150 - 250 Euro Umsatz bedeutet, ist der Aufwand von 4,20 Euro durchaus lohnend und kostet zudem wenig Zeit.

Autor:
Dr. Volker Scholz
Europaplatz 1
88131 Lindau



Zum Produktvergleich: Kariesdiagnostik









 

www.dentalkompakt-online.de

ist eine kostenlose und unverbindliche Vergleichsplattform für Dental-Produkte, Dental-Materialien und Dental-Geräte. Die Rubriken

Produktvergleiche für Zahnarztpraxen

und

Produktvergleiche für Dentallabore

sind unterteilt in die verschiedenen Fachgebiete, wie

Implantologie

,

Parodontologie

oder

Kieferorthopädie

bzw.

Laborführung

,

CAD/CAM

oder

Totalprothetik

. Innerhalb dieser Fachgebiete finden Sie die einzelnen Leistungsvergleiche zu den verschiedenen Dental-Produkten, Dental-Materialien und Dental-Geräten, wie

Implantatsysteme

,

Behandlungseinheiten

oder

CAD/CAM Systeme

. Außerdem finden Sie zu jedem Produktvergleich einen passenden Fachartikel, wie beispielsweise im Bereich

Prävention und Konservierende Zahnheilkunde

. Nutzen Sie das Vergleichen von Produkten auf

www.dentalkompakt-online.de

als kostenlose und unverbindliche Grundlage bei Investitionsentscheidungen für die Zahnarztpraxis oder das Dentallabor.