Themenübersicht: Prävention und Konser- vierende Zahnheilkunde
Zum Produktvergleich: Mundspüllösungen
Zum Produktvergleich: Mundspüllösungen
Mundspüllösungen |
|
|
Es ist allgemein anerkanntes Wissen, daß die Entstehung von Karies und Parodontitis auf die Anreicherung und Vermehrung von Bakterien auf der Zahnoberfläche und am Zahnfleischsaum zurückzuführen sind. Zwingende Voraussetzung für die Erhaltung der Mundgesundheit ist somit eine optimale Plaquekontrolle. Die Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie dokumentiert eine weiter verbesserte Zahngesundheit speziell bei Kindern, einen signifikanten Rückgang der Zahnverluste bei Erwachsenen und Senioren und einen Zuwachs schwerer Parodontalerkrankungen und der Wurzelkaries. Die mechanischen Maßnahmen zur Plaqueentfernung weisen Defizite auf, Mundspüllösungen im Sinne einer chemischen Plaquekontrolle stellen eine sinnvolle Ergänzung dar. Die verwendeten Lösungen haben in der Regel Einfluß auf die Bakterien selbst oder deren Adhäsion an der Zahnoberfläche. Beworben werden neben Keimreduktion und Kariesschutz häufig auch die Behandlung sensibler Zähne und eine Wirkung gegen Mundgeruch. Um die Produkte besser qualifizieren zu können, nachfolgend einige Hinweise.
Entsprechend ihrer Substantivität werden antibakterielle Wirkstoffe in „Generationen“ eingeteilt. Wirkstoffe der 1. Generation zeigen In-vitro eine antibakterielle Wirkung, die jedoch In-vivo nicht nachgewiesen werden kann. Diese Substanzen haben eine zu geringe Substantivität, als daß sie unter den in der Mundhöhle herrschenden Bedingungen eine maßgebliche Wirkung entfalten könnten. Beispiele für Wirkstoffe der 1.Generation sind Hexitidin, Cetylpyridiniumchlorid (CPC),Triclosan, ätherische Öle oder Sanguinarin [19]. Das Phenolderivat Triclosan besitzt nur eine leichte antibakterielle Wirkung gegenüber den meisten Plaquebakterien. Zur Wirkungssteigerung kann Triclosan mit einem Copolymer (PVA/MA) kombiniert werden (Colgate Total). Dies bewirkt eine höhere Retention im Munde. Jedoch bleibt die antimikrobielle Wirkung schwächer als bei den anderen beschriebenen Produkten [15, 17, 21]. Dem Zuckeralkohol Xylitol wurden in den 90er Jahren antikariogene und auch therapeutische Fähigkeiten zugeschrieben, da er von den meisten Mikroorganismen im Munde nicht verstoffwechselt werden kann und damit die Säurebildung in der Plaque hemmt. Es wurde berichtet, Xylitol reduziere die Anzahl von S. mutans, senke die Plaqueformationsrate und ebenso die Entwicklung von Gingivitis. Allerdings sind diese Fähigkeiten nicht unumstritten [11]. Die größte antibakterielle Wirksamkeit der Mundspüllösungen der 1. Generation wird den ätherischen Ölen (Listerine als bekanntester Vertreter) zugeschrieben [16, 22]. Allerdings muß hier auf eventuell bestehende Allergien geachtet werden. Die klinische Wirksamkeit von Listerine wird primär über eine Schädigung der Zelloberfläche der Mikroorganismen und eine Inhibition der Enzymaktivität vermittelt, die zum Zelltod führen [32]. Bei täglichem adjuvanten Gebrauch von Listerine zeigte sich eine klinisch signifikante Reduktion der supragingivalen Plaque. Es werden Werte von 56-87% beschrieben [30]. Zusätzlich zum antigingivitischen Effekt wird den ätherischen Ölen in Kombination mit Fluoriden auch eine kariesprophylaktische Wirkung zugesprochen [31]. Das Cetylpyridiniumchlorid wird als Ersatz bei Chlorhexidin-Intoleranz diskutiert. Es besitzt zwar ein breites antimikrobielles Spektrum, wirkt jedoch nicht gegen gramnegative Bakterien [17, 21]. Seine schwä- chere Wirkung wird auch der niedrigeren Verweildauer zugeschrieben, die nur fünf Stunden beträgt [7]. Aber wie auch beim CHX sollte zwischen Spülen und der Anwendung von Zahnpasta ein zeitlicher Abstand von ca. 60 Minuten eingehalten werden. Es scheint hier Interaktionen mit den plaquehemmenden Inhaltsstoffen der Zahnpasta zu geben [26]. Neben den medizinisch wirksamen Inhaltsstoffen ist häufig auch Alkohol in Mundspüllösungen enthalten. Für Kinder und Menschen mit Alkoholproblemen sind diese Produkte nicht geeignet. Außerdem wird ein schädigender Einfluß auf den Aufbau der Zellstruktur diskutiert [20]. Wirkstoffe der 2. Generation verfügen über eine ausgeprägte Substantivität, ihre antibakterielle Wirkung konnte sowohl In-vitro als auch In-vivo nachgewiesen werden. Vertreter dieser Gruppe sind Chlorhexidin und die Wirkstoffkombination Aminflourid/ Zinnflourid (Meridol) [19]. Als Goldstandard in der Prävention und Therapie oraler Entzündungen hat sich der Wirkstoff Chlorhexidin etabliert. Tatsächlich ist es das effektivste und am meisten verbreitete antimikrobielle Mittel für den intraoralen Gebrauch [27]. Seine plaquehemmende Wirkung wurde erstmals in den 70er Jahren klinisch untersucht [12]. CHX wirkt gegen grampositive und gramnegative anaerobe und aerobe Keime. Streptococcus mutans hat sich als besonders sensibel gegenüber Chlorhexidin erwiesen [13]. Es kann als Spüllösung in einer Konzentration von 0,1 bis 0,2% wirklich als „chemische Zahnbürste“ eingesetzt werden, wenn eine mechanische Zahnreinigung vorübergehend nicht möglich ist: nach chirurgischen Eingriffen oder bei einer hochakuten Gingivitis [1]. Es haftet an den negativ geladenen Strukturen der Mundhöhle und erzielt so eine Wirkdauer von mindestens sieben, aber wahrscheinlich mehr als zwölf Stunden [18, 27]. Der kationische Charakter des CHX birgt jedoch auch Nachteile: CHX kann durch das anionische Natriumlaurylsulfat, das in den meisten Zahnpasten als Tensid dient, neutralisiert werden [3]. Gleiches gilt für Natrium- monofluorphosphat, das allerdings nur noch in wenigen Zahnpasten verwendet wird. Aus diesen Erkenntnissen resultiert die Empfehlung an die Patienten, zwischen den Anwendungen einer Zahnpasta mit einer der beiden genannten Substanzen und Chlorhexidin eine halbe bis eine Stunde verstreichen zu lassen [3, 27]. Zur Vereinfachung des Gebrauchs könnte bei Anwendung von Chlorhexidin zu einer Zahnpasta gewechselt werden, die diese Stoffe nicht enthält. Das sind z.B. alle Pasten mit Aminfluorid, die kein zusätzliches Tensid benötigen, da das Aminfluorid selbst oberflächenaktiv wirkt. Die DGZMK empfiehlt den Einsatz von Chlorhexidin als therapeutisch wirksame Substanz bei entsprechender Indikation; prä- und postoperativ, während kieferorthopädischer Behandlung, nach Kieferbruch-Schienung, während der Schwangerschaft, bei umfangreichen Zahn- oder Parodontalsanierungen oder bei Behinderten. Von einer ungezielten langfristigen Anwendung zum Zwecke der Prävention wird jedoch abgeraten. Dieser Hinweis zielt auf das Auftreten von Nebenwirkungen. Sie sind ebenso wie seine Wirkung konzentrationsabhängig und kommen vor allem nach längerer Anwendung vor. Regelmäßig werden Verfärbungen von Zunge, Zähnen und Füllungen und auch Geschmacksirritationen beobachtet. Seltener tritt Schleimhautbrennen auf. Auch allergische Reaktionen sind möglich. Diese Nebenwirkungen sind jedoch harmlos und nach Absetzen des Präparats reversibel. Eine Spüllösung mit 0,2% CHX sollte jedoch nicht länger als drei Wochen benutzt werden [24]. Zur dauerhaften Anwendung eignet sich die Chlorhexamed Lösung 0,06% + F. Diese zeigte im 6-Monatsvergleich eine Verfärbungstendenz, die lediglich auf dem Niveau einer handelsüblichen aminflourid-/zinnflouridhaltigen Lösung lag. Stiftung Warentest ( 1/2003 ) vergab das Urteil: schützt zuverlässig vor Karies und Plaque. Die Anwendung fluoridhaltiger Mundspüllösungen hat sich seit den 60er Jahren etabliert und eine Kariesreduktion zwischen 20 und 50% erreicht [8, 9, 14]. Entsprechend den Empfehlungen der DGZMK gehört die Anwendung von Fluoriden zu den drei Eckpfeilern zahnmedizinischer Prävention. Allerdings handelt es sich dabei nicht immer um die kostengünstigste Variante: Die tägliche Verwendung fluoridhaltiger Spüllösungen ist der wöchentlichen Anwendung von Fluoridgelee gleichwertig, bedeutet allerdings mehr Zeit- und Finanzaufwand. Eine Ausnahme besteht jedoch beim Risiko einer Wurzelkaries [24]. Zunehmend häufiger stellt sich das Problem freiliegender Wurzeloberflächen, die wesentlich kariesanfälliger als Zahnschmelz sind [11]. In der Vorbeugung einer Wurzelkaries hat sich das tägliche 2 bis 3malige Spülen mit einer Aminfluorid-Zinnfluorid (AmF-SnF2) Kombination als besonders effektiv erwiesen [2, 29]. Dabei sollte die Fluoridkonzentration maximal 500 Milligramm pro Liter betragen, wie das Bun- desinstitut für Risikobewertung (BfR) rät. Die Angabe des Fluoridgehalts kann sowohl in Milligramm/ Liter als auch in parts per million (ppm) erfolgen - die Werte beider Einheiten entsprechen einander. Aminfluorid/Zinnfluorid konnte bis zu 8 h in antibakteriell wirksamer Konzentration im Biofilm nachgewiesen werden [5]. Die DGZMK empfiehlt die Anwendung fluoridhaltiger Mundspüllösungen. Dies führe bei Personen mit erhöhtem Kariesrisko zu einer Reduktion des Kariesanstiegs und könne deshalb unabhängig von der Anwendung anderer fluoridhaltiger Präparate verwendet werden. Anwendung bei Kindern Generell gilt, daß Prophylaxeprodukte mit dem Risiko unbeabsichtigten Verschluckens größerer Mengen (z. B. Gelees, Spüllösungen) bis zum Alter von sechs Jahren gemieden werden sollten (Bundesinstitut für Risikobewertung). Wenn in Ausnahmen oder bei etwas älteren Kindern doch fluoridhaltige Mundspüllösungen verwendet werden, so sei daran erinnert, daß Kinderzahnpasten in der Regel kein Natriumlaurylsulfat enthalten, sondern das mildere Betain. Hier kann also direkt nach dem Zähneputzen gespült werden. Mundgeruch und Mundspüllösungen Die Behandlung der Halitosis richtet sich nach der Ursache. Eher unterstützend können zu Beginn chemische Hilfsmittel eingesetzt werden. Allerdings fehlen hierzu umfangreiche Vergleichsstudien, daher ist eine Empfehlung schwierig. Speziell auf Halitosis abgestimmte Produkte gibt es in Deutschland nicht zu kaufen. Jedoch können antibakterielle Spüllösungen eine mundgeruchsreduzierende Wirkung haben, die über die kurzzeitige Wirkung der nur maskierenden aromatisierten Mundwässer hinausgeht [25]. Empfindliche Zahnhälse Freiliegende Wurzeloberflächen können zu unangenehmen Sensibilitäten führen, da dort die Zahl der eröffneten Dentintubuli hoch ist. Ein Beseitigen der Schmerzen kann also nur durch den Verschluß der offenen Tubuli gelingen. Hierfür wirksame Komponenten sind Fluoride, Kaliumchlorid, Dikalziumphosphate, Strontiumchlorid, Kaliumsalze, Natrium- und Trikaliumcitrat sowie Hydroxylapatit [6]. Autor: Juliane Ernst Charité-Universitätsmedizin Berlin Centrum 3 (Zahn-, Mund-, Kieferheilkunde) Augustenburger Platz 1 13353 Berlin Literatur 1) Addy M: Chlorhexidine compared with other locally delivered antimicrobials. A short review. J Clin Periodontol 1986; 13: 957-964. 2) Banoczy J, Nemes J: Effect of amine fluoride (AmF)/ stannous fluoride (SnF2) toothpaste and mouthwashes on dental plaque accumulation, gingivitis and root-surface caries. Proc Finn Dent Soc 1991; 87: 555-559. 3) Barkvoll P, Embery G, Rolla G: Studies on the interaction between sodium lauryl sulfate and hydroxyapatite using Fourier transformed infrared spectroscopy. J Biol Buccale 1988; 16: 75-79. 4) Barkvoll P, Rolla G, Svendsen K: Interaction between chlorhexidine digluconate and sodium lauryl sulfate in vivo. J Clin Periodontol 1989; 16: 539-595. 5) Bowen WN. Mechanisms of action of known plaque inhibitors. Z Stomatol 1990; 87(5): 19-23. 6) Blunck U: Die Versorgung von Zahnhalsdefekten. ZM 1997; 9: 2333-2341. 7) Elworthy A, Greenman J, Doherty FM, New combe RG, Addy M: The substantivity of a number of oral hygiene products deter mined by the duration of effects on salivary bacteria. J Periodontol 1996; 6: 572-576. 8) FDI Commission: Mouthrinses and dental caries. Int J Dent 2002; 52: 337-345. 9) Fure S, Gahnberg L, Birkhed D: A comparison of four home-care fluoride programs on the caries incidence in the elderly. Gerodontology 1998; 15: 51-60. 10) Giertsen E, Emberland H, Scheie AA: Effects of Mouth Rinses with Xylitol and Fluoride on Dental Plaque and Saliva. Caries Res 1999; 33: 23-31. 11) Hoppenbrouwers PM, Driessens FC, Borg greven JM: The vulnerability of unexposed human dental roots to demineralization. J Dent Res 1986; 65: 955-958. 12) Löe H, Schiott CR: The effect of mouthrinses and topical application of chlorhexidine on the development of dental plaque and gingivitis in man. J Periodont Res 1970; 5: 79-83. 13) Marsh PD: Microbiological aspects of the chemical control of plaque and gingivitis. J Dent Res 1992; 71: 1431-1438. 14) Marthaler TM: Cariostatic effect of the combined use of fluorides. J Dent Res 1990; 69 Spec No: 797-800, discussion 820-823. 15) Moran J, Addy M, Roberts S: A 4-day plaque regro wth study comparing an essential oil mouthrinse with a triclosan mouthrinse. J Clin Periodontol 1992; 19: 578-582. 16) Moran J, Addy M, Roberts S: A comparison of natural product, triclosan and chlorhexidine mouthrinses on 4-day plaque regrowth. J Clin Periodontol 1997; 24: 636-639. 17) Pitten FA, Kramer A: Efficiacy of cetylpyridinium chloride used as oropharyngeal antiseptic. Arzneim. Forsch-Drug-Res 2001; 7: 588-595. 18) Netuschil L, Reich E, Brecx M: Direct measurement of the bactericidal effect of chlorhexidine on human dental plaque. J Clin Periodontol 1989; 16: 484-488. 19) Netuschil L, Bruhn G, Hoffmann T.: Auswahl und Anwendung von oralen Chemoprophylactica. Der Freie Zahnarzt 2002; 3: 50-54 20) Poggi P, Rodriguez y Baena R, Rizzo S, Rota MT: Mouthrinses with alcohol: Cytotoxic effects on human gingival fibroblasts in vitro. J Periodontol 2003; 5: 623-629. 21) Renton-Harper P, Addy M, Moran J, Doherty FM, Newcombe RG: A comparison of chlorhexidine, cetylpyridinium chloride, triclo san and C31G mouthrinse products for plaque inhibition. J Periodontol 1996; 5: 486-489. 22) Riep BG, Bernimoulin JP, Barnett ML: Com parative antiplaque effectiveness of an essential oil and an amine fluoride/ stannous fluoride mou thrinse. J Clin Periodontol 1999; 26: 164-168. 23) Rosling B, Hellstrom MK, Ramberg P, Socranscy SS, Lindhe J: The use of PVP-iodine as an adjunct to non-surgical treatment of chronic periodontitis. J Clin Periodontol 2001; 28: 10231031. 24) Roulet J-F, Zimmer S: Prophylaxe und Zahn medizin. Farbatlanten der Zahnmedizin. Thieme: 59; 85; 2003. 25) Seemann R: Halitosis (Diagnostik und Therapie). ZM 2000; 6: 644-649 und http://www.charite.de/praevmed/patient/Halitosis/halitosis.htm 26) Sheen S, Eisenburger M, Addy M: Effect of toothpaste on the plaque inhibitory properties of a cetylpyridinium chloride mouth rinse. J Clin Periodontol 2003; 30: 255-267. 27) Stelzel M: Antiinfektiöse Therapie. Parodontologie 2002; 13: 363-372. 28) Stiftung Warentest: Krieg den Keimen. 2003; 1: 25-29. 29) Überschär M, Günay H: (Root caries incidence with regular use of AmF/SnF2 mouth rinse). Dtsch Zahnärztl Z 1991; 46:566-568. 30) Fine DH, Furgang D, Sinatra K, Charles C, McGuire A, Kumar LD.: In vivo antimicrobial effectiveness of an essential oil-containing mouth rinse 12 h after a single use and 14 days' use. J Clin Periodontol 32, 335 (2005) 31) J Am Dent Assoc. 2004 Feb.( The remineralizing effect of an essential oil flourid mouthrinse in an intraoarl caries test) 32) Kubert, D., Rubin, M., Barnett, M .L. und Vincent, J.W. : Am J.Dent.1993 ; 6 :277-279 www.bgvv.de/cms/detail.php?template=internet_de_index_js www.dgzmk.de/stellung/kariesprophylaxefluoride.pdf www.dgzmk.de/stellung/plaque-reduktion.pdf www.uni-duesseldorf.de/awmf-leitlinien.de/ Zum Produktvergleich: Mundspüllösungen |
![]() |




