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Zahnbürsten: elektrisch oder manuell?


 
Da Plaque ein essenzieller ätiologischer Faktor für die Entstehung von Karies, Gingivitis und Parodontitis ist, stellt ihre effiziente Entfernung eine entscheidende Maßnahme zur Prophylaxe dar. Im Rahmen der häuslichen Mundhygiene erfolgt die Plaqueentfernung mit einer Zahnbürste. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch wiederholt gezeigt, daß im Rahmen der häuslichen Zahnpflege in der Regel keine optimale Plaqueentfernung erreicht wird. Ein Grund hierfür könnte die Zahnbürstenform sein. Es stellt sich daher die Frage, wie die optimale Handzahnbürste aus wissenschaftlicher Sicht aussehen sollte.

Kriterien einer guten Handzahnbürste


Das lange als ideal angesehene ebene Borstenfeld einer Zahnbürste ist grundsätzlich eher schlecht geeignet, die Zähne zu säubern. Da eine Zahnoberfläche keine flachen, sondern nur konvexe Oberflächen besitzt und die optimale Reinigung durch maximalen Kontakt zwischen Bürste und Zahn erreicht wird, sollte eine gute Zahnbürste ein möglichst konkaves Borstenfeld besitzen. Dies läßt sich dadurch erreichen, daß die äußeren Borsten länger als die inneren sind. Eine gute Adaptation des Borstenfeldes kann aber auch dadurch erreicht werden, daß die Borstenbüschel flexibel im Bürstenkopf fixiert sind (Abb. 1 oben). Eigene Untersuchungen haben gezeigt, daß sich die Fissuren mit einer Zahnbürste mit dichtem ebenem Borstenfeld nur schlecht reinigen lassen. Beim Aufsetzen der Zahnbürste auf der Kaufläche des Zahnes kommt es nämlich zu einem Verkeilungseffekt, der ein tieferes Eindringen der Borsten in die Fissur verhindert. Gleiches gilt für die ebenfalls sehr engen Interdentalräume und den Zahnfleischsulkus, den besonders im Hinblick auf die Entstehung von Gingivitis und Parodontitis kritischen Bereich. Einzeln stehende Borstenbüschel können eine Lösung darstellen. Noch ein anderer Aspekt wird bei der Entwicklung neuer Zahnbürsten zunehmend wichtiger: Im Laufe der Zeit wird immer klarer, daß eine gute Mundhygiene auch Nebenwirkungen haben kann: Hypersensible Zähne, Putzdefekte und Traumatisierungen von Gingiva und Mukosa (Mundschleimhaut) nehmen zu. Die Ursachen sind falsche und mit zu viel Kraft ausgeübte Putztechniken. In erster Linie muß also der Anwender in einer möglichst schonenden Pflegetechnik geschult werden. Aber auch die Zahnbürstenindustrie kann durch druckreduzierende Zahnbürsten und weiche Borsten dazu beitragen, diesem Problem zu begegnen. Nicht zuletzt sollte auch Wert auf eine möglichst spaltfreie Befestigung der Borstenbüschel im Bürstenkopf gelegt werden, damit keine Schlupfräume für Mikroorganismen entstehen. Aus heutiger Sicht sollte eine gute Handzahnbürste über folgende Konstruktionsmerkmale verfügen:
  • Der Form des Zahnes angepasstes Borstenfeld (Formkongruenz), um optimale Reinigung zu erreichen
  • Einzeln stehende Borstenbüschel zur besseren Reinigung von Fissuren, Interdentalräumen und Sulkus
  • Mittlere bis weiche Borstenhärte zur Schonung von Zähnen und Zahnfleisch
  • Endgerundete Nylonborsten, um Verletzungen des Zahnfleisches zu verhindern
  • Spaltfreie Befestigung der Borstenbüschel im Bürstenkopf.
Ein Produkt, das so gar nicht der gängigen Vorstellung von einer guten Handzahnbürste entspricht, ist die dreiköpfige Superbrush. Eigene Untersuchungen haben jedoch gezeigt, daß sich bei gleicher Putzzeit mit ihr weit bessere Reinigungsergebnisse erzielen lassen als mit einer Standard-Handzahnbürste mit ebenem Borstenfeld.

Elektrische Zahnbürsten

Elektrische Zahnbürsten haben immer noch mit dem Vorurteil zu kämpfen, daß sie zwar möglicherweise die tägliche Mundhygiene einfacher gestalten können, aber keinen Vorteil hinsichtlich der Effektivität der Plaqueentfernung aufweisen. Diese Einschätzung stammt aus der Zeit vor ca. 30 Jahren, als die ersten elektrischen Zahnbürsten auf den Markt kamen. Wissenschaftliche Untersuchungen hatten für diese Geräte der ersten Generation keinen Vorteil gegenüber konventionellen Handzahnbürsten gezeigt. Sie wurden daher lediglich für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik empfohlen und waren nur eine Marginalie des Zahnbürstenmarktes. Seit Beginn der 1990er Jahre ist jedoch eine ganze Flut moderner Geräte auf den Markt gekommen, die mit den ersten elektrischen Zahnbürsten nicht mehr viel gemein haben.

Zwei Produktklassen

Elektrische Zahnbürsten der neueren Generation können grob in zwei Kategorien eingeteilt werden: Zum einen sind das die Geräte mit runden Bürstenköpfen, die mit einer Frequenz von bis zu 73 Hz (entsprechend 8800 Seitwärtsbewegungen) und einem Rotationswinkel von etwa 50° bis 70° oszillieren. Das Spitzenmodell dieser Kategorie, die Braun Oral-B Triumph kombiniert diese Oszillation mit einer pulsierenden Bewegung in einer Frequenz von 333 Hz (40.000 Vor- und Rückwärtsbewegungen). Die zweite Kategorie umfaßt die sogenannten schallaktiven Zahnbürsten bei denen der Bürstenkopf mit einer Frequenz von 250 Hz seitwerts schwingt. Auch die Schwingungen der erstgenannten Geräte liegen in einem Frequenzbereich, der dem hörbaren Schall entspricht. Auch ist es keineswegs der Schalldruck, der zu einer besonderen Reinigungswirkung führt. Aber der Begriff „schallaktiv“ oder „sonic“ hat sich für die Geräte der zweiten Kategorie eingebürgert und soll daher hier auch Verwendung finden.
Mehrere klinische Studien haben gezeigt, daß sowohl die Geräte mit rotierend-oszillierenden Köpfen als auch die schallaktiven Zahnbürsten einer konventionellen Handzahnbürste signifikant überlegen sein können. Allerdings liegt die Betonung auf „können“. Die Benutzung einer guten elek- trischen Zahnbürste bedeutet nämlich noch keineswegs automatisch, daß daraus auch eine gute Plaqueentfernung resultiert. Entscheidend sind auch bei elektrischen Zahnbürsten die richtige Putztechnik sowie die Dauer des Zähneputzens. Wie bei den Handzahnbürsten, gilt auch hier: je länger desto sauberer. Da wir offenbar grundsätzlich dazu neigen, unsere Zähne zu kurz zu putzen und dann auch noch die aufgewendete Zeit falsch einzuschätzen, ist ein Timer bei einer elektrischen Zahnbürste von großem Wert. Er erzieht uns zur Einhaltung der vorgegebenen Putzzeit. Allerdings ist es auch nicht unbedingt ratsam, eine feste Putzzeit vorzugeben, denn erstens muß von einer individuell unterschiedlichen Effizienz der Plaqueentfernung ausgegangen werden und zweitens unterliegen auch die dentalen Verhältnisse einer großen interindividuellen Variabilität. Daher sollte versucht werden, den Patienten zur Selbstkontrolle zu befähigen. Wenn es weder bei der Benutzung von Zahnseide, Zahnhölzchen oder Interdentalbürstchen zu Zahnfleischbluten kommt und sich außerdem die Zähne nach der Reinigung bei Kontrolle mit der Zunge glatt anfühlen, ist ein gutes Ergebnis erreicht.

Nicht alle sind gleich gut

Eine Zahnbürste mit rundem Bürstenkopf kombiniert rotierend-oszillierende Bewegungen mit einer hochfrequenten „pulsierenden“ und erzielt so einen 3D-Effekt. Nach eigenen klinischen Untersuchungen scheint dieser pulsierende Effekt die Reinigungsleistung zu verbessern. Auch bei den schallaktiven Zahnbürsten gibt es große Unterschiede. Eine Frequenz von 250 Hz oder mehr bedeutet noch nicht automatisch eine gute Reinigung. Entscheidend ist letztlich, welchen Weg die Borstenenden pro Zeit zurücklegen. Daher spielt die Amplitude, also die Auslenkung der Borstenenden, eine wichtige Rolle. Gute Schallzahnbürsten zeigen eine Amplitude von 3-4 mm.

Stärken und Schwächen

Die Zahnbürsten mit runden oszillierenden Köpfen orientieren sich an dem Vorbild einer rotierenden Bürste für das zahnärztliche Winkelstück, mit der es eine geübte Prophylaxe-Assistentin oder Dentalhygienikerin (DH) schafft, die Zähne ihrer Patienten perfekt zu reinigen. Der Vorteil dieser Zahnbürsten liegt darin, daß sie sehr klein sind und sich damit auch schwer erreichbare Zonen des Gebisses reinigen lassen. Allerdings sind sie techniksensitiv. Eine Prophylaxe-Assistentin oder DH hat immerhin eine klinische Ausbildung durchlaufen um die Fähigkeit zu erwerben, mit einer rotierenden Bürste perfekt umgehen zu können. Jeder Zahn muß einzeln bearbeitet werden, außerdem ist wichtig, den Bürstenkopf exakt entlang des Gingivalsaumes zu führen und der Kontur des Zahnes folgend mit einer Schwenkbewegung in den Interdentalraum einzudringen. Wo die Plaque von der Bürste erreicht wird, ist insbesondere die Braun Oral B Triumph mit ihrer hochfrequenten Oszillation und ihrer zusätzlichen pulsierenden Bewegung sehr effektiv. Schallaktive Zahnbürsten sind in der Anwendung weniger anspruchsvoll. Sie werden wie eine Handzahnbürste im 45°-Winkel mit den Borstenenden zum Zahnfleisch angesetzt und möglichst druckarm am Zahnfleischsaum entlang geführt. Dabei haben diese Zahnbürsten im Vergleich zu den vorgenannten einen ebenso banalen wie bedeutsamen Vorteil: Ein größerer Bürstenkopf reinigt nun mal in der gleichen Zeit ein größeres Areal als ein kleiner.

Sicher ist der Nachteil mit der schlechteren „Manövrierbarkeit“ erkauft. Aber der größte Mangel beim Zahnpflegeverhalten des durchschnittlichen Zahnbürstenbenutzers liegt in der zu kurzen Putzzeit. Dazu kommt sicher häufig auch noch eine nicht perfekte Technik unter der eine Bürste mit rotierend-oszillierendem Kopf stärker leidet. Diese Hypothesen werden durch eigene Untersuchungsergebnisse gestützt. Testpersonen, die zwar in der Anwendung einer elektrischen Zahnbürste instruiert, aber nicht besonders geschult wurden, erreichten mit guten schallaktiven Zahnbürsten mit verhältnismäßig großem Kopf viel bessere Ergebnisse als mit einer Handzahnbürste während das mit verschiedenen Bürsten mit rotierend-oszillierenden Köpfen nicht im-mer der Fall war.

Worauf man achten sollte?

Nicht jeder Mensch braucht für eine gute Mundhygiene eine elektrische Zahnbürste und nicht jede „Elektrische“ ist für jeden gleich gut geeignet. Wie bereits dargelegt sind Geräte mit rotierend-oszillierenden Köpfen besonders gut für geschickte, hoch-motivierte Benutzer geeignet, während schallaktive, gerade bei Menschen die ihre Zahnpflege weniger intensiv betreiben, gegenüber Handzahnbürsten einen großen Vorteil besitzen. Darüber hinaus sollten einige Punkte Beachtung finden:

  • Hat die Zahnbürste einen Timer? Hier gilt: je länger desto besser.
  • Wie hoch ist die Frequenz der Bürste? Obwohl nicht durch Studien belegt, ist davon auszugehen, daß eine höhere Osillationsfrequenz eine bessere Plaqueentfernung erlaubt.
  • Wie groß ist die Amplitude der Bürste? Eine Amplitude von 3-4 mm scheint für eine gute Reinigungsleistung erforderlich.
  • Was kosten Ersatzbürsten und wie lange halten sie? Häufig wird nicht an die Folgekosten gedacht.
  • Wo bekomme ich Ersatzköpfe? Bisweilen müssen Ersatzköpfe in der Apotheke bestellt werden.
  • Handelt es sich um ein Akku- oder Batteriegerät? Letztere sind meist preiswerter, aber auch deutlich leistungsschwächer.
  • Ist der Akku austauschbar oder muß ein neuer Handgriff oder gar ein komplett neues Gerät mit Ladestation gekauft werden, wenn der Akku „schlapp“ macht?

Wer diese Punkte berücksichtigt und außerdem bei der Entscheidung für ein Gerät sein eigenes Engagement beim Zähneputzen realistisch beurteilt, für den ist eine elektrische Zahnbürste ein nützliches Hilfsmittel zur Optimierung der häuslichen Mundhygiene.

Autor:
Prof. Dr. Stefan Zimmer
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Westdeutsche Kieferklinik
Poliklinik für Zahnerhaltung und
Präventive Zahnheilkunde
Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf


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Das lange, als ideal angesehene ebene Borstenfeld einer Zahnbürste ist eher schlecht geeignet.


Tiefes eindringen der Borsten in die Fissuren.


Gute challzahnbürsten zeigen eine Amplitude von 3-4 mm.






 

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